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17.11.2023

Im Menschenrechtszentrum Cottbus

Aus Anlass des Mauerfalls am 09. November 1989 lud das Menschenrechtszentrum Cottbus am 09.11.2023 ein zu Führungen durch die Gedenkstätte "Zuchthaus Cottbus". Ich nahm um 14.30 Uhr an der Hausführung von Dieter Dombrowski teil. Aus meinen Smartphone-Fotos und -Videos erstellte ich ein 11-minütiges Youtube-Video:



30.01.2023

Keine öffentlichen Rad- und Wandertouren ab 2023

Ursprünglich hatte ich geplant, auch 2023 wieder Rad- und Wandertouren zu organisieren. Davon nehme ich Abstand. Meine Entscheidung richtet sich gegen Menschen, die bis heute die SED-Diktatur und die DDR verharmlosen! Ich habe im SED-Staat gelitten und leide noch immer unter den traumatischen Erfahrungen. Ich möchte mit niemandem radfahren oder wandern, der die DDR und den Diktator Honecker heute verharmlost!

Ebenso werde ich nicht mit Menschen radfahren oder wandern, die nach dem russischen Überfall auf die Ukraine mit dem russischen Diktator Putin sympathisieren oder die gegen eine militärische Unterstützung der Ukraine durch Deutschland sind!

17.03.2017

Straße für Opfer der SED-Diktatur

Am 18.03.2017 veröffentlichte die Wochenend-Zeitung Der Oderlandspiegel (OLS) meinen Leserbrief. Kurz danach - am 20.03.2017 - druckte die Märkische Oderzeitung (MOZ) meinen Brief:


Alternativ ist auch ein anderer Straßenname möglich, z.B.: "Den Opfern der SED-Diktatur", "Straße der Opfer der SED-Diktatur". Seriöse Vorschläge nehme ich gern entgegen oder sollten als Leserbrief in die öffentliche Diskussion eingebracht werden!

 Umbenennungsvorschläge für die jetzige "Regierungsstraße"  
 

30.11.2016

Kein offener Diskurs zu SED-Herrschaft

Am Dienstag, den 29. November 2016, fand in der Frankfurter Europa-Universität "Viadrina" ein Workshop zum Thema "Aufarbeitung und Recht" statt. Darin ging es Herrn Roland Jahn, dem Bundesbeauftragten für die Unterlagen des DDR-Staatssicherheitsdienstes, unter anderem um die Frage, warum trotz umfangreicher Bemühungen kein offener Diskurs zwischen den einstigen Opfern und den Mitläufern sowie Beteiligten der SED-Herrschaft zustande gekommen sei.
Zwar sei die Zahl der individuellen Anträge im Jahr 2016 etwas zurückgegangen. Gleichzeitig bleibt das Interesse der Medien und Forschung konstant, und es interessierten sich immer mehr Kinder und Enkel für das Verhalten ihrer Vorfahren in der DDR. Am wichtigsten erscheint Herrn Jahn, wie künftige Generationen die Funktionsweise einer Diktatur verstehen können, um daraus zu lernen.


So kommentiere ich dieses Thema:
Leider ist auch hier in Frankfurt (Oder) nie ein offener Diskurs zwischen einstigen Opfern und Mitläufern sowie Beteiligten der SED-Herrschaft zustande gekommen. Solch ein Diskurs war hier in der Stadt nie gewollt. Im Gegenteil: Seit 51 Jahren "schmückt" hier in der Stadt ein DDR-Propaganda-Titel eine kommunale Weihnachtsfeier, der den zahlreichen DDR-Opfern ins Gesicht schlägt und sie verhöhnt. Der zynische DDR-Veranstaltungstitel "Wir sind eine Große Familie" wischt die erlebte DDR-Geschichte brutal vom Tisch und behauptet etwas, was sowohl in der sozialistischen DDR-Wirklichkeit als auch jetzt in der kapitalistischen Marktwirtschaft nie real existierte. Ich sage hier ganz deutlich in Richtung alter und neuer Linkspartei-Politiker: "Wir" waren keine, "wir" sind keine und "wir" werden nie eine "Große Familie" sein.
Der Satz "Wir sind eine große Familie" ist eine der Lebenslügen der Generation Krause.

In diesem Jahr wurden von der Stadt Frankfurt (Oder) etwa 14.000 Einladungen an Frankfurter Senioren verschickt. Nur etwa ein Drittel nahmen diese Einladung an! Diese Zahlen zeigen mir, dass bereits eine Mehrheit der Frankfurter Senioren diesen makaberen Titel "Wir sind eine Große Familie" durchschauen, sich davon distanzieren und sich nicht politisch vereinnahmen lassen. Inzwischen haben längst viele Frankfurter die Chance genutzt, Einsicht in Stasi-Akten zu nehmen. Wer seine Akten gelesen hat, hat kein Verständnis und Interesse für eine Veranstaltung, die Frankfurts Lokal-Politiker oberflächlich als "Große Familie" bezeichnen! Erstaunlich bleibt die Tatsache, dass bisher noch kein Frankfurter Journalist und leider auch kein Frankfurter Politiker den Mut gefunden haben, den Veranstaltungstitel und die geringe Teilnehmerzahl zu hinterfragen und Konsequenzen zu fordern.

Meine Hoffnung liegt bei kommenden Generationen, die dieses spezielle Frankfurter "Alleinstellungsmerkmal" analysieren und Fragen an die sogenannte "Große Frankfurter Familie" stellen, die hier bis heute leider noch immer verdrängt werden.


Die Beauftragte des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur hat im Januar 2017 das Portal "Zeitzeugen" eröffnet.
Das Zeitzeugenportal richtet sich an all diejenigen, die mehr über die Menschen erfahren wollen, die in der Zeit von 1945 bis 1989 auf dem Gebiet des Landes Brandenburg Widerstand leisteten, politische Verfolgung erlitten und Unrecht oder Willkür der SED-Herrschaft erlebten. [Zum Portal "Zeitzeugen"]

• Focus-Online hat meine Meinung als Gastbeitrag am 06.12.2016 veröffentlicht!

10.04.2015

Frankfurter Provinzposse

Die Märkische Oderzeitung meldete am 08.04.2015:
"Die Fraktion der Linken in der Stadtverordnetenversammlung Frankfurt (Oder) setzt sich dafür ein, die jetzige Regierungsstraße nach SED-OB Fritz Krause zu benennen. Der frühere SED-Oberbürgermeister wäre am Montag kommender Woche 90 Jahre alt geworden. Linke-Fraktionschef René Wilke forderte jetzt in einem Brief alle Stadtverordneten auf, "fraktions- und parteiübergreifend" in einen Meinungs- und Diskussionsprozess zu einer Fritz-Krause-Ehrung einzutreten. ... Die Fraktion der Linken will einen entsprechenden Antrag in die Stadtverordnetenversammlung am 7. Mai einbringen."

Zu diesem Antrag habe ich folgende Meinung:

Mein Vorschlag: "Straße der Frankfurter Opfer in der DDR-Diktatur"

Im November und Dezember 1989 protestierten hier in Frankfurt (Oder) viele tausende Frankfurter auf der Straße, weil sie die Macht des Herrn Fritz Krause nicht mehr ertragen konnten. Ich war auch dabei. Darauf bin ich stolz. Diese Demonstrationen waren notwendig, um die 25jährige Herrschaft des Herrn Krause hier in Frankfurt zu beenden!

Für mich hatte Krause und hatten viele weitere SED-Funktionäre ihre "Klasse" verraten. Auch deshalb war ich 1989 auf der Straße: Weil ich diese Art des verlogenen "Klassenkampfes" nicht mehr ertragen wollte und weil das Land DDR und die Stadt Frankfurt durch die SED-Krauses und Co. zugrunde gerichtet worden waren. Wer es vergessen hat, schaue sich mal wieder alte Fotos von 1989/90 an: Der Verfall in Frankfurts Straßen und vielen Betrieben war nicht zu übersehen!

Jeder sollte sich einmal die Zeit nehmen, um die DVD "Zu Fuß durch Frankfurt (Oder) am 14. April 1990" anzuschauen. Diese DVD wurde im Jahr 2009 vom Frankfurter Stadtarchiv verkauft. Ein weiteres Beispiel: In dem Buch des Frankfurter Fotografen Hartmut Kelm: "Frankfurt (Oder) - Ein Stadtbild im Umbruch - Chronik der Ereignisse 1989 bis 2000" werden damalige Zustände in Frankfurt ebenfalls anschaulich gezeigt. Auch für diesen Verfall in Frankfurt (Oder) war Krause mitverantwortlich!

Er war eine Person des öffentlichen Lebens, die auf die Frankfurter Gesellschaft und die Frankfurter Geschichte diktatorisch Einfluss nahm. Über Krause werden kommende Generationen noch diskutieren. Die Auseinandersetzung mit Tätern und Opfern der untergegangenen DDR wird anhalten, unabhängig davon, wie es anonymen Kommentatoren gefällt. Auch künftig werde ich mit meinem Klarnamen darüber reden und schreiben. Ein Ende ist nicht absehbar!

Objektiv gesehen, war Krause ein Diener der SED-Diktatur. Er hat sich als OB nur um Personen und Umstände gekümmert, die seine Macht nicht in Frage stellten. Angeblich, so eine Legende, will er die leblose Ruine der Marienkirche vor dem Abriß bewahrt haben. Fakt ist: Bis heute konnten seine Anhänger keine objektiven Beweise präsentieren, die eine angebliche Abrißbedrohung der Marienkirche bestätigen. Die behauptete Kirchen-Rettung basiert also lediglich auf einer von Krause und seinen Anhängern kolportierten Legende.
Fakt ist aber: Um die vielen lebendigen Frankfurter, die bis 1989 nach Zersetzung, nach Berufsverboten, nach Ausreiseanträgen, nach Fluchten oder politisch bedingten Gefängnisaufenthalten unsere Stadt verließen, kümmerte sich Kause nicht. Sein Tod beendet keine Verantwortlichkeiten!

Ich hoffe, dass die in Frankfurt grassierende Verklärungs- und Verdrängungskultur aufbricht und gleichzeitig endlich denen Gerechtigkeit widerfährt, die in der 25jährigen OB-Zeit von Fritz Krause hier in Frankfurt (Oder) gelitten haben, denn: In Frankfurt (Oder) waren "wir" damals nie und sind "wir" auch heute keine "Große Familie"! Erst recht nicht angesichts solch eines Straßenumbenennungsvorschlages der Linken. Hinter diesem Vorschlag sehe ich die Anhänger der friedlichen Konterrevolution!

Im übrigen halte ich Krause auch mitverantwortlich für die Wahlfälschung im Mai 1989 hier in Frankfurt (Oder). Ich bin dagegen, diesen SED-Wahlfälscher mit einem Straßennamen zu ehren! Die Republik würde danach zu Recht über unsere Stadt lachen.
Ich hoffe, eine Mehrheit der Frankfurter SVV-Abgeordneten findet die historische Größe und lehnt den Straßenumbenennungs-Antrag der Linken ab, macht aber gleichzeitig einen alternativen Namensvorschlag!
Meiner lautet: "Straße der Frankfurter Opfer in der DDR-Diktatur".

Zu meiner Person
Ich wurde im Herbst 1989 Mitglied der Frankfurter Bürgerbewegung „Neues Forum“. Im Januar 1990 trat ich in die SPD ein, saß von Februar bis Mai 1990 als SPD-Vertreter am Runden Tisch „Kultur“ der Stadt Frankfurt (Oder). Auf Vorschlag von Pfarrer Gelsen übernahm ich Ende Februar 1990 als sein Nachfolger die Aufgabe als "Leiter der Arbeitsgruppe Akten/Unterlagen" im Frankfurter Bürgerkomitee zur Auflösung der Staatssicherheit. Unser Bürgerkomitee transportierte damals in mehrwöchiger aufwendiger Arbeit bis Ende März 1990 die Akten der Frankfurter Staatssicherheit in einen sicheren Bunker. Zwischen 1991 und 1993 arbeitete ich als Mitglied der SPD-Fraktion in der ersten nach 1945 frei und demokratisch gewählten Frankfurter Stadtverordnetenversammlung. Ich lebe seit 1953 in Frankfurt (Oder) und gehöre heute keiner Partei an.

 Veröffentlichte Leserbriefe in "Der OderlandSpiegel" am 24.11.2012 und am 25.04.2015 


 Veröffentlichter Leserbrief in der "Märkischen Oderzeitung" am 21.04.2015 
Die Beauftragte des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur hat im Januar 2017 das Portal "Zeitzeugen" eröffnet.
Das Zeitzeugenportal richtet sich an all diejenigen, die mehr über die Menschen erfahren wollen, die in der Zeit von 1945 bis 1989 auf dem Gebiet des Landes Brandenburg Widerstand leisteten, politische Verfolgung erlitten und Unrecht oder Willkür der SED-Herrschaft erlebten. [Zum Portal "Zeitzeugen"]

20.10.2012

Eine Farce: "Linke will Fritz Krause würdigen"

Meine Reaktion auf einen MOZ-Artikel vom 20.10.2012

Im November 1989 protestierten hier in Frankfurt (Oder) viele zehntausende Frankfurter auf der Straße, weil sie die Macht des Herrn Krause nicht mehr ertragen konnten. Ich war auch dabei. Darauf bin ich stolz. Diese Demonstrationen waren notwendig, um die 25jährige Herrschaft des Herrn Krause in Frankfurt zu beenden!
Für mich haben Krause und viele weitere SED-Funktionäre ihre "Klasse" verraten. Auch deshalb waren wir 1989 auf der Straße: Weil wir diese Art des verlogenen "Klassenkampfes" nicht mehr ertrugen und weil das Land DDR und die Stadt Frankfurt durch die Krauses und Co. zugrunde gerichtet worden waren. Wer es vergessen hat, schaue sich nur alte Fotos von 1989/90 an: Der Verfall in vielen Straßen und vielen Betrieben war nicht zu übersehen!
Jeder sollte sich einmal die Zeit nehmen, um die DVD "Zu Fuß durch Frankfurt (Oder) am 14. April 1990" anzuschauen. Diese DVD wurde im Jahr 2009 vom Frankfurter Stadtarchiv verkauft. Ein weiteres Beispiel: In dem Buch "Frankfurt (Oder) - Ein Stadtbild im Umbruch - Chronik der Ereignisse 1989 bis 2000" werden damalige Zustände in Frankfurt ebenfalls anschaulich gezeigt. Auch für diesen Verfall in Frankfurt (Oder) war F.Krause mitverantwortlich!
Er war eine Person des öffentlichen Lebens, die auf die Frankfurter Gesellschaft und die Frankfurter Geschichte Einfluss nahm. Über F.Krause werden kommende Generationen noch diskutieren. Die Auseinandersetzung mit Tätern und Opfern der untergegangenen DDR wird anhalten, unabhängig davon, ob es Herrn X, Frau Y oder angeblich "Anständigen Frankfurtern" passt. Über Krause und seine OB-Zeit wurde bereits viel geschrieben und geredet. Auch künftig werden wir darüber reden und schreiben. Ein Ende ist nicht absehbar! Der Tod beendet keine Verantwortlichkeiten!

Objektiv gesehen, war F.Krause ein Diener des SED-Systems. Er hat sich als OB nur um Personen und Umstände gekümmert, die sein Machtsystem nicht in Frage stellten. Möglicherweise hat er sich um die leblose Marienkirche gekümmert, aber um die vielen lebendigen Frankfurter, die bis 1989 nach Ausreiseantrag, Flucht oder Gefängnis unsere Stadt verließen, kümmerte er sich leider nicht. Ich hoffe, dass die in Frankfurt grassierende Verklärungskultur aufbricht und gleichzeitig denen Gerechtigkeit widerfährt, die in der 25jährigen OB-Zeit von F.Krause hier gelitten haben, denn: In Frankfurt (Oder) waren "wir" keine und sind "wir" keine "Große Familie"! Erst recht nicht angesichts solch eines Vorschlages der Linken!


Leserbrief in "Der Oderlandspiegel" vom 24.11.2012

Die Beauftragte des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur hat im Januar 2017 das Portal "Zeitzeugen" eröffnet.
Das Zeitzeugenportal richtet sich an all diejenigen, die mehr über die Menschen erfahren wollen, die in der Zeit von 1945 bis 1989 auf dem Gebiet des Landes Brandenburg Widerstand leisteten, politische Verfolgung erlitten und Unrecht oder Willkür der SED-Herrschaft erlebten. [Zum Portal "Zeitzeugen"]

Siehe auch meinen Post: "Provinzposse" vom 10. April 2015

08.10.2007

Zum Dokumentarfilm „Volkseigener Krause“

Erstmals hat ein Dok-Film einer Wessi-Frau fast 700 grauhaarige Frankfurter in der Marienkirche dazu gebracht, sich in einer öffentlichen Gruppentherapie-Sitzung mit ihrer DDR-Vergangenheit zu beschäftigen. Diese Veranstaltung hat vor allem eines gezeigt: Nur durch 25jährige Selbstverleugnung und Totalanpassung an das herrschende SED-Regime konnte der halbgebildete Herr Krause diese Funktion ausüben. Bekannt ist, dass Herr Krause lediglich eine Parteihochschule von innen gesehen hat. Bekannt ist eben auch, dass in den Reihen von DDR-Funktionsträgern eine Krankheit stark grassierte: der Alkoholismus. Der Leiter des Büros Krause war dafür z.B. bekannt und berüchtigt. Nur mit starken Getränken haben viele dieser SED-Parteigänger jene Widersprüche und Missverhältnisse ausgehalten, die letztendlich trotzdem das System DDR zum Einsturz brachten. Viele Familienmitglieder haben in der DDR unter dieser Krankheit mitgelitten. Bekannt ist z.B., dass ein Sohn des Herrn Krause an den Widersprüchen seines angepassten Vaters verzweifelt ist und ein stadtbekannter Trinker war.

Enttäuschend ist die Naivität der Wessi-Regisseurin, die lediglich symbolhafte Orte ausgewählt hat, um Herrn Krause eine Plattform zur Selbstdarstellung zu bieten. Verständlich deshalb die Enttäuschung vieler Besucher, die ihre Erwartungen an den Film getäuscht sahen. Andere Zuschauer zeigten bei der Film-Präsentation, was sie noch immer am meisten verdrängen: die DDR-Wirklichkeit.

2007 druckte der Oderlandspiegel meine Meinung als Leserbrief!

"Wir" waren und "wir" sind keine "Große Familie"

Als Antwort auf den Leserbrief eines Herrn D. veröffentlichte am 07. Januar 2006 die Frankfurter Regionalzeitung DER ODERLAND-SPIEGEL meinen Leserbrief zum Thema: "Wir waren und wir sind keine "Grosse Familie":

Werter Herr W.D., es stimmt. Ich habe keinen Respekt - Ihnen gegenüber. Und gegenüber allen ehemaligen haupt- und nebenberuflich tätigen Stasi-Rentnern. Gegenüber allen haupt- und nebenberuflich tätigen SED-Funktionärs-Rentnern (im weiteren Text: "SED-Rentner"). Gegenüber all denen, die sich in der DDR anmaßten, mir zu sagen: "Wir sind eine große Familie".
Jeder, der sich von dieser "großen DDR-Familie" distanzieren wollte, wurde unfreundlich mit Berufsverbot bedroht. Jeder, der hartnäckig aus der "grossen DDR-Familie" raus wollte, musste mit Gefängnis rechnen. Viele wurden bei ihrem Versuch, diese "grosse DDR-Familie" zu verlassen, an der Grenze erschossen. Nein, ich habe keinen Respekt vor Ihnen und ihresgleichen. Meinen Respekt haben Sie nicht "verdient". Ich bedanke mich bei Ihnen auch nicht für Ihre "Verdienste" um die Stadt Frankfurt (Oder) oder das Land DDR, in dem ich auch gelebt habe. Diese sogenannte "grosse Familie" war und ist für mich eine zynische SED-Propagandalüge - und es war und es ist eine der Lebenslügen der Generation Krause & Co.
In ein paar Jahren werde auch ich Rentner sein. Aber ich werde dann nicht mit dem SED-Polit-Rentner Fritz Krause (2), mit Stasi-Rentnern und anderen SED-Rentnern unter dem Motto "Wir sind eine große Familie" Kaffee trinken und schunkeln.
Ich fordere die Frankfurter Stadtverwaltung bereits heute auf, meinen Namen aus der Einladungsliste zu löschen. Den Geldbetrag aus dem Veranstaltungsposten, der anteilig auf meine Person entfallen würde, sollten die Frankfurter Stadtpolitiker dann an ein Jugendprojekt oder einen Jugendsportverein vergeben.
Ich weiß, daß einige Frankfurter in dieser Sache auch so wie ich denken. Ich rufe sie hiermit auf, sich ebenfalls an die Frankfurter Stadtverwaltung zu wenden, um ihren Namen aus der Einladungsliste für diese sogenannte "Grosse Familie" löschen zu lassen. Es ist an der Zeit, neue Traditionen zu entwickeln (3), in denen kein Profilierungsplatz mehr ist für SED-Polit-Rentner Fritz Krause & Co.

Anmerkung 1 bis 5:
1. Unter dem propagandistischen Titel "Wir sind eine grosse Familie" wurden in Frankfurt (Oder) seit 1965 im Dezember kommunal finanzierte Rentner-Weihnachtsfeiern durchgeführt.
2. Fritz Krause war in Frankfurt (Oder) SED-Oberbürgermeister von 1965-1990. Seit seiner Abdankung infolge der politischen Veränderungen 1989/90 hat er es in den Jahren seit 1990 mit Hilfe der SED/PDS/Linke und seiner alten SED-Anhänger geschafft, sein Wirken als OB in Frankfurt zu verklären. Er ließ sich noch bis zu seinem Tod 2012 als "Gallionsfigur" der alten SED-Zeiten und ihrer Anhängerschaft in der Öffentlichkeit hofieren. Dabei helfen ihm und seinen Anhängern natürlich die schwierigen Gegenwartsprozesse und die Schwächen der nachfolgenden Frankfurter Oberbürgermeister.
3. An jenem Wochenende (07.+08. Januar 2006), als mein oben zitierter Leserbrief im Oderland-Spiegel veröffentlicht wurde, gab es einen Ansturm von vielen anonymen Telefonanrufern. U.a. fand ich auch eine Morddrohung auf meinem Anrufbeantworter. So sind sie halt, die alten ehemaligen Stasi-Mitläufer, Stasi-Täter und SED-Funktionäre. Das war, ist und bleibt ihr Handwerk bis zu ihrem letzten Atemzug: Einschüchterung, Zersetzung, Denunziation, Bedrohung bis hin zur psychischen und physischen Vernichtung. Tatsache aber ist: Ihre Herrschaftszeit ist beendet. Die Erinnerung daran bleibt bestehen: nicht nur bei den Tätern, sondern erst recht bei deren Opfern. Deshalb: "Wir" waren und "wir" sind keine "grosse Familie". Die Täter leben noch unter uns. Manche davon auch in Seniorenheimen.
4. In dem Veranstaltungstitel "Wir sind eine große Familie" sehe ich die Lebenslüge der Krause-Generation samt Anhänger. Viele Frankfurter haben bis zum Herbst 1989 ganz andere Alltagserfahrungen mit dem SED-Regime gemacht, als es dieser Propaganda-Titel suggeriert. Auch heute machen viele ältere Frankfurter Erfahrungen in ihrem Alltag, die ihnen Anlass geben, Einladungen zur kommunalen Senioren-Propagandafeier in zunehmendem Maße zu ignorieren. Das Verhältnis der Eingeladenen zu den tatsächlichen Teilnehmern sank bereits auf 30 Prozent. Diese Tendenz verdeutlicht einen Widerspruch, den die politische Klasse und die Medien in Frankfurt bisher noch ignorieren!
5. Meinen Protest gegen die beabsichtigte Spende des Klinikums Frankfurt (Oder) zugunsten der Veranstaltung "Wir sind eine Große Familie" habe ich der Leitung des Krankenhaus-Konzerns schriftlich in einem offenen Brief vom 06.04.2006 mitgeteilt. Daraufhin hat dieser Klinik-Konzern sein Sponsoring für diese Veranstaltung eingestellt!

Die Beauftragte des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur hat im Januar 2017 das Internet-Portal "Zeitzeugen" freigeschaltet. Das Zeitzeugenportal richtet sich an all diejenigen, die mehr über die Menschen erfahren wollen, die in der Zeit von 1945 bis 1989 auf dem Gebiet des Landes Brandenburg Widerstand leisteten, politische Verfolgung erlitten und Unrecht oder Willkür der SED-Herrschaft erlebten. [Zum Portal "Zeitzeugen"]