16.06.2020

1988 - Frankfurter Erinnerungsfacette

Beim Stöbern in Fotokisten fand ich Schwarz-Weiss-Fotos, entstanden im Sommer 1988, u.a. in der Wohnung von Beatrix Meerwald (gest. 2019):



Foto 1 zeigt von rechts: Beatrix, ihre Tochter, einen befreundeten Mosambikaner, der damals im Frankfurter Wohnungsbaukombinat zum Baufacharbeiter ausgebildet wurde und mich. Das Foto machte ihr damaliger Lebensgefährte Henry Gentsch - der Vater von Beatrix Tochter. Ich war damals mit Henry befreundet und besuchte sie oft in ihrer gemeinsamen Wohnung. Nach der Wende hat Henry G. Frankfurt (Oder) und Beatrix verlassen und ein Kunststudium in Berlin begonnen.


Auch das Foto 2 entstand damals in Beatrix Wohnung: der mosambikanische Freund kehrte nach 1990 zurück in seine Heimat.


Foto 3 zeigt Henry und mich während eines Spaziergangs in Frankfurt

13.06.2020

1990 erschien die neue Zeitschrift "Spiritus"


Vor 30 Jahren, im Sommer 1990, erschien die erste Ausgabe der Zeitschift "Spiritus - Das unabhängige Kulturmagazin der Oderregion".

Die Zeitschrift entstand damals nach dem Mauerfall als Kind der Wendezeit 1989/90. Die Idee für diese neue Zeitschrift entwickelte ich im November und im Dezember 1989 und stellte das Konzept allen damaligen Künstlerverbänden und Kulturinstitutionen in der Bezirkshauptstadt Frankfurt (Oder) vor. Auch Amateurkünstler hatten Interesse an einer Zuarbeit. Einige potenzielle Partner reagierten begeistert, andere nur abwartend. Mein Konzept landete auch auf Schreibtischen der Kulturabteilung des damaligen Rates des Bezirkes.
Kurz nach dem Jahreswechsel 1990 war bereits erkennbar, dass es einen Umbruch der staatlichen Strukturen geben wird. In dieser hektischen Phase blieb mein Zeitschriften-Konzept vorerst noch in der Schublade liegen. Aber im Frühjahr 1990, als das Frankfurter Haus der Künste aus der Trägerschaft des Rates des Bezirkes Frankfurt (Oder) entlassen und an die Stadt Frankfurt (Oder) übertragen wurde, passte meine Zeitschriften-Idee in das Vakuum, das durch die schrittweise Auflösung der DDR-Strukturen entstand. Arbeitsstellen wurden infrage gestellt oder abgewickelt - neue entstanden, z.B. auch im Frankfurter Haus der Künste. Damals arbeiteten in der Redaktion der ersten Zeitschriften-Nummer mit: Carmen Winter, Ingrid Kopielski und Roland Totzauer.
  
Von der Nummer 1/90 schickte ich ein Belegexemplar an die Märkische Oderzeitung. Vielleicht existiert dieses Heft heute noch irgendwo tief im Archiv der MOZ. Belegexemplare erhielten damals auch das Frankfurter Stadtarchiv und das Frankfurter Museum Viadrina. Nach dem Druck der Nummer 1 konzentrierte ich mich wieder auf meine eigentliche Hauptaufgabe als Veranstaltungsmitarbeiter im Haus der Künste.

Das Heft "Spiritus - Das unabhängige Kulturmagazin der Oderregion" war tatsächlich aber nie unabhängig. Das kommunale Geld war knapp und wurde immer knapper. Die Stadt musste Entscheidungen treffen und setzte andere Prioritäten. Die Freizeitinteressen der Frankfurter veränderten sich nach 1990. Somit war das Ende der von der Stadt Frankfurt (Oder) gesponsorten Kultur-Zeitschrift nur eine Frage der Zeit: Nach wenigen Nummern musste die Zeitschrift "Spiritus - Das unabhängige Kulturmagazin der Oderregion" eingestellt werden. Vielleicht liegen heute noch Restposten einiger Hefte irgendwo auf einem Dachboden im Haus der Künste? 


29.04.2020

Diskussionen um Frankfurter Stasi-Archiv

Warum engagiere ich mich für dieses spezielle Thema?
Im Februar und März 1990 war ich bei der Auflösung der DDR-Staatsicherheit aktiv beteiligt im Frankfurter Bürgerkomitee "Auflösung MfS" als Leiter der AG Akten/Unterlagen. In diesen besonderen Wochen des Frühjahrs 1990 entstand mein Text "Der heiße Atem der Geschichte - Tagebuch eines MfS-Auflösers 1990". Gedruckt wurde mein Tagebuch im Sommer 1990 in Ausgabe 1/90 der von mir mitbegründeten Zeitschrift "Spiritus - Das unabhängige Kulturmagazin der Oderregion" - die Details findest du in diesem Blog-Artikel.


Am Montag, den 27. April 2020, veröffentlichte die Märkische Oderzeitung einen Artikel unter der Überschrift "Standort für Stasi-Unterlagen-Archiv in Brandenburg noch offen". Der MOZ-Journalist Mathias Hausding schrieb am gleichen Tag dazu einen Kommentar: "Nicht wegducken".

Zu diesem Thema schrieb ich im November 2018 einen Leserbrief, der am 17.11.2018 im Oderlandspiegel veröffentlicht wurde. Zusätzlich schrieb ich einige E-Mails an Landespolitiker und an die BStU-Zentrale.

Ich sehe in dieser Angelegenheit unsere Frankfurter Stadtpolitiker in der Pflicht und der Verantwortung, aktiv zu werden und Lobbyarbeit für unsere Stadt zu leisten. Ebenfalls halte ich es für dringend notwendig, dass ehemalige Mitglieder der Frankfurter Gruppierung "Neues Forum" sich der Presse und gegenüber von Land und Bund zu Wort melden, um so für den Archiv-Standort Frankfurt (Oder) zu kämpfen.

Ich bin überzeugt, dass viele bekannte Sachgründe für einen Verbleib der BStU-Außenstelle in Franfurt (Oder) sprechen. Sie sind in Abwägung zum angedachten Standort Cottbus schwergewichtig. Dem Steuerzahler kann man die zuzumutenden Kosten, die durch den Verbleib der Außenstelle in Frankfurt (Oder) entstehen, wesentlich überzeugender darstellen als jene hohen Kosten, die durch einen Komplett-Umzug des Archivs nach Cottbus entstehen. Für den Stadtort Frankfurt (Oder) spricht: Die BStU-Liegenschaft in Frankfurt (Oder) gehört dem Bund. Jahrzehntelange konzeptionelle Arbeit und Erfahrungen vor Ort, ein erfahrenes und in der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit engagiertes Mitarbeiter-Team, keine zusätzlichen hohen Umzugskosten: In Cottbus müsste man eine neue Liegenschaft ausbauen, ein neues Team zusammenstellen und einarbeiten. In Frankfurt wäre lediglich in eine schützende Klimaanlage zu investieren. Wer das alles vernünftig betrachtet, kann nicht nachvollziehen, warum ein Umzug überhaupt erwogen wird.

Leider wurde in den letzten Jahren und Jahrzehnten in Frankfurt (Oder) relativ wenig um das Frankfurter Stasi-Archivs gekämpft, denn seine Existenz war ja quasi selbstverständlich und bisher nicht gefährdet. Leider gibt es in Frankfurt kein Menschenrechtszentrum wie in Cottbus, das sich um die notwendige Erinnerungsarbeit in Sachen SED-DDR-Stasi hier vor Ort kümmert. Frankfurt hat zwar einen Historischen Verein, aber die Mitglieder interessieren sich - meiner Meinung nach - nicht wirklich für dieses Geschichtskapitel. Möglicherweise, weil einige Vereinsmitglieder durch ihre ehemalige SED-Mitgliedschaft belastet sind.


Bereits seit 1992 arbeitet das Frankfurter Stasi-Archiv. Seit vielen Jahren liegen die Cottbuser Akten hier in Frankfurt. Ich meine, der Standort Frankfurt (Oder) funktioniert. Die fachlich kompetenten Frankfurter Archiv-Mitarbeiter haben ein Recht darauf, dass ihre Erfahrungen mit den Akten gewürdigt und respektiert werden. Doch plötzlich stehen hier in Frankfurt ihre Existenzen und die Schicksale ihrer Familien unnötigerweise zur Disposition. Es stellt sich mir die Frage: Wer hat diese Standort-Diskussion initiiert? Bis 2018 gab es diese Diskussion nicht. Was hat diese Diskussion ausgelöst? Und warum reagiert Frankfurt (Oder) in dieser Angelegenheit bisher so schwach und zögerlich?


Eine einfache Antwort habe ich nicht, aber Vermutungen: Frankfurt hat einen Oberbürgermeister, dessen Parteizugehörigkeit problematisch ist: die Frankfurter SED-PDS-Linkspartei ist seit 1990 nicht aufgefallen durch eine glaubwürdige Aufarbeitung ihrer eigenen Geschichte. Im Frankfurter Stadtparlament sitzt seit Jahrzehnten als größte Fraktion die SED-PDS-Linkspartei. Das wiederum läßt Rückschlüsse zu auf das Denken und Handeln jener Frankfurter Bürger, die sie dorthin gewählt haben. Frankfurt ist durch seinen Status als Ex-DDR-Bezirkshauptstadt "durchseucht" mit ehemaligen SED-Mitgliedern, mit Ex-SED-Funktionären, mit ehemaligen Stasi-Mitarbeitern, ehemaligen Polizei- und NVA-Mitarbeitern sowie sogenannten DDR-Eliten und all ihren Angehörigen. Sie alle sind geprägt durch eine daraus resultierende Geisteshaltung. Sie alle beeinflussen noch immer das politische Klima Frankfurts. Es gibt leider bisher noch keine gleichstarke politische Gegenmacht. Nur der Tod bewirkte bisher die Schwächung dieser Linkspartei-Wählerschaft. Von diesen Frankfurter Bürgern erwarte ich keine Unterstützung im Kampf um das Stasi-Archiv.

Deutlich wird dies unter anderem durch zahlreiche Pro-DDR-Leserbriefe, die in den letzten 30 Jahren in Frankfurter Zeitungen abgedruckt wurden. Zuletzt erschienen im Februar 2020 (!) in der Märkischen Oderzeitung an einem Tag gleich zwei Leserbriefe, in denen von den Briefschreibern gefordert wurde, eine Frankfurter Straße zugunsten des ehemaligen Frankfurter SED-Oberbürgermeisters Fritz Krause umzubenennen! Für mich eine Forderung, die zeigt: Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch! Auch das ist für mich ein Indiz dafür, warum Frankfurt den Kampf ums Stasi-Archiv verlieren könnte.

Die spezielle politische Landschaft in Frankfurt (Oder) und die diffuse Frankfurter Haltung in Sachen SED-DDR-Stasi ist und bleibt problematisch und wird natürlich in Berlin und in Cottbus sehr genau wahrgenommen. Roland Jahn, der Leiter der Berliner BStU-Zentrale, sympathisiert aus Gründen seiner  DDR-Erfahrungen mit dem Cottbuser Menschenrechtszentrum. Dort rechnen sie verständlicherweise mit seiner Unterstützung und kämpfen nun für den Umzug. Cottbus ist wegen der Berliner Unterstützung momentan leider drauf und dran, die Standortfrage für sich zu entscheiden. Wollen die Frankfurter zuschauen, wie die 55 gut bezahlten Arbeitsplätze der Archiv-Mitarbeiter nach Cottbus abwandern? Dies würde unsere Stadt nicht nur politisch schwächen, sondern inmitten der aktuellen Corona-Krise ökonomisch mit besonderer Wucht treffen!



Am 14.05.2020 habe ich erneut eine E-Mail an die Redaktion des Frankfurter Stadtboten (MOZ) geschickt mit folgendem Inhalt:

"Sehr geehrte Damen und Herren, seit vielen Monaten wird im Land Brandenburg diskutiert über den Standort des brandenburgischen BStU-Archivs. Seit Jahrzehnten befindet sich dieses Archiv der Stasi-Unterlagen in Frankfurt (Oder) und arbeitet hier sehr erfolgreich. Ich bin der Überzeugung, dass viele bekannte Sachgründe für einen Verbleib der BStU-Außenstelle in Franfurt (Oder) sprechen. Sie sind in Abwägung zum angedachten Standort Cottbus schwergewichtig. Dem Steuerzahler kann man die zuzumutenden Kosten, die durch den Verbleib der Außenstelle in Frankfurt (Oder) entstehen, wesentlich überzeugender darstellen als jene hohen Kosten, die durch einen Komplett-Umzug des Archivs nach Cottbus entstehen. Für den Standort Frankfurt (Oder) sprechen folgende Fakten: 1. Die Frankfurter BStU-Liegenschaft gehört dem Bund; 2. Jahrzehntelange konzeptionelle Arbeit und Erfahrungen vor Ort; 3. Ein erfahrenes und in der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit engagiertes Mitarbeiter-Team; 4. Keine Umzugs- und Nebenkosten in Millionenhöhe, denn in Cottbus müsste man eine neue Liegenschaft bauen, ein neues Team zusammenstellen und einarbeiten. Dies würde das brandenburgische BStU-Archiv in seiner Tätigkeit extrem blockieren. In Frankfurt wäre lediglich in eine schützende Klimaanlage zu investieren. Wer das alles vernünftig betrachtet, kann nicht nachvollziehen, warum ein Umzug überhaupt erwogen wird. Damals im Frühjahr 1990 war ich aktiv beteiligt bei der Auflösung der DDR-Staatsicherheit im Frankfurter Bürgerkomitee "Auflösung MfS" als Leiter der AG Akten/Unterlagen. Auch deshalb bin ich für den Verbleib des BStU-Archivs in Frankfurt (Oder). Alle interessierten Frankfurter sollten sich dagegen wehren, dass die 55 Arbeitsplätze der Archiv-Mitarbeiter nach Cottbus abwandern. Dies würde Frankfurt nicht nur politisch schwächen, sondern unsere Stadt inmitten der Corona-Krise ökonomisch mit besonderer Wucht treffen.
Mit freundlichem Gruss - Roland Totzauer"

Am 15.05.2020 druckte die MOZ meinen Leserbrief gekürzt ab:

Am 05.06.2020 informierte MOZ.de: "Das Brandenburger Archiv für Stasi-Unterlagen bleibt in Frankfurt (Oder)." Der MOZ-Artikel kann hier online gelesen werden.
Ich freue mich über diese Entscheidung. Die Frankfurter Archiv-Mitarbeiter können nun wieder in Ruhe ihrer Tätigkeit nachgehen. Jetzt muss nur noch der Bund die Landes-Entscheidung mittragen.
Am 06.06.2020 erschien in der MOZ-Leserbrief-Seite eine gekürzte Version meines Leserbriefes vom 15.05.2020.


30.03.2020

Monet im Barberini

Besuch im Potsdamer Museum Barberini:

Vom 22. Februar 2020 bis zum 19. Juli 2020 widmet das Potsdamer Museum Barberini dem französischen Impressionisten Claude Monet (1840–1926) eine groß angelegte Retrospektive.

Die Ausstellung "Monet. Orte" versammelt rund 110 Gemälde aus sämtlichen Schaffensphasen des Malers und erforscht seine Darstellungen von Orten und Landschaften, die die Entwicklung seines Stils mitbeeinflusst haben – von den Großstädten Paris und London sowie den Seine-Dörfern Argenteuil, Vétheuil und Giverny über die Küsten der Normandie und der Bretagne bis hin zu südlichen Reisezielen wie Bordighera, Antibes und Venedig. Zu den Höhepunkten der Ausstellung zählen zahlreiche Gemälde von Monets Garten und Teich in Giverny, darunter mehrere seiner weltberühmten Seerosenbilder.

In Zusammenarbeit mit dem Denver Art Museum organisiert das Museum Barberini eine umfangreiche Monet-Retrospektive, welche die Rolle der Orte erforscht, die den Maler inspirierten, sowie seine Herangehensweise an die Darstellung ihrer spezifischen Topographie und Lichtstimmungen. Von seiner ersten bekannten Komposition aus dem Jahr 1858 bis zu den späten Bildern seines Landhauses und Wassergartens in Giverny bietet die Ausstellung einen weitläufigen Überblick über sein gesamtes Schaffen und beleuchtet Monets herausragende Stellung innerhalb der französischen Avantgarde seiner Zeit.
(Bild- und Textquelle: Museum Barberini)

Ein => Barberini Prolog dient der Einstimmung auf die Monet-Ausstellung. Als kompakte Webseite gibt der Prolog einen Überblick über die Erzählstränge, Themen und Werke der Schau.

Unter dem Titel => Claude Monet - Im Licht des Augenblicks präsentiert der Kultursender ARTE seit 2019 eine 53-min-Dokumentation. Von Paris bis Giverny über Rouen, Vétheuil und Etretat führt die filmische Reise zu den Orten und Landschaften, die den berühmten Impressionisten Claude Monet zu seinen größten Werken inspirierten. Sie erzählt die Geschichte der leidenschaftlichen Beziehung des Malers zur Natur, ihren Motive und ihren Lichtnuancen.

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) bietet seit März 2020 (Corona-Krise) => digitale Museums-Führungen an, u.a. auch durch die Monet-Ausstellung des Museums Barberini.

Bitte kleine Vorschaubilder anklicken = Originalgröße!



19.03.2020

Corona-Krise 2020

 1.  Angesichts der aktuellen Abwärtsentwicklung, ausgelöst durch die Corona-Krise, erinnere ich daran, dass nach 1990 Millionen ostdeutsche Arbeitnehmer plötzlich arbeitslos wurden. Ich übrigens auch und ich habe es überlebt - dank der staatlichen Unterstützung durch Arbeitslosengeld. In vielen ostdeutschen Regionen löste ab 1990 die Treuhand viele Firmen auf. Manche wurden abgerissen. Viele Dienstleister gingen pleite. Kneipen, Restaurants und Hotels schlossen zeitweise oder dauerhaft ihre Türen. Damals, im Frühling und Frühsommer 1990, gab es in den ostdeutschen Kaufhallen wochenlang zahlreiche leere Regale. Es gab einen täglichen Kampf um diverse Lebensmittel. Das war mühsam. Immerhin gab es damals reichlich Toilettenpapier. Erst die Einführung der Westmark am 01.07.1990 führte zu einem neuen bunten Warenangebot. Wahrscheinlich erinnern sich heute nicht mehr viele Leute an diese frühere Dramatik in den ostdeutschen Ländern. Es geht in den meisten Ost-Regionen längst anders und neu weiter... Auch deshalb mein Hinweis an alle hektischen Krisen-Kommentatoren: Das "normale" Leben kehrt nach der Corona-Krise weiter zurück. Es gibt zwar Verluste, aber trotzdem - unsere Gesellschaft stirbt nicht aus! Es wird bald wieder für alle Konsumenten permanent Toilettenpapier bereit liegen. Ich bitte um Gelassenheit.
Im übrigen sind die Ostdeutschen seit 1989/90 krisenerprobt.

Mittlerweile regt sich in Deutschland auch Protest gegen Corona-Einschränkungen. Der RBB informierte am 09.05.2020 über eine Demo auf dem Berliner Alexanderplatz. Die MOZ berichtete am 11.05.2020 über eine Demo in Bad Saarow. Die Deutsche Welle schreibt: Politiker warnen vor Vereinnahmung von Corona-Demos durch Extremisten.

 2.  Ein unbekannter Autor hat im März 2020 hier philosophiert.

 3.  Die Schließung der deutsch-polnischen Grenze durch Polen ab 15.03.2020 bringt für uns, die Bewohner der deutschen Grenzregionen an Oder und Neiße, auch Vorteile: Es gibt ab sofort weniger Fahrrad-Diebstähle, weniger Auto-Diebstähle und sonstige Grenzkriminalität. Die Statistikzahlen der nächsten Wochen bzw. Monate werden dies bezeugen. Jetzt könnte man mir Pauschalisierung vorwerfen. Kann man. Aber die tägliche Realität im Grenzgebiet sah bisher leider u.a. auch so aus: Diebstähle von Landwirtschaftsgeräten, Viehdiebstähle, Einbrüche, Taschendiebstähle bei meist älteren Frauen usw. Die Märkische Oderzeitung hat bisher fast permanent berichtet. Nach Wiedereröffnung der Grenze durch Polen werden wir relativ rasch wieder die gewohnten Kriminalitäts-Schlagzeilen lesen müssen. Am 15.03.2020 begannen hier an Oder + Neiße viele Tage ohne grenzüberschreitende Kriminalität!
Wie hart die polnische Regierung ihre Grenze nach Deutschland bewacht, schildert die Märkische Oderzeitung am 03.04.2020.
Eine weitere Folge der polnischen Grenzschließung: Deutsche Zollspediteure dürfen nicht mehr nach Polen zur Arbeit.


 4.  Im Zusammenhang mit der Corona-Krise taucht in Medien neuerdings der Begriff "Social Distancing" auf. Der unglückliche Begriff "Social Distancing" ist aber leider irreführend und damit falsch. Richtig sollte es auf deutsch heißen "Körperliche Distanz". Niemand soll seine sozialen Kontakte einschränken, sondern nur körperliche Kontakte vermeiden bzw einschränken. Die drastischen Maßnahmen zielen darauf ab, körperliche Nähe nur bis 2 Meter zu erlauben. Dies meint jedoch nicht, seine sozialen Kontakte einzuschränken. Journalisten stiften mit dem Begriff "Social Distancing" nur Verwirrung. Ich hoffe, die Journalisten erkennen die notwendige sprachliche Differenzierung! Soziale Kontakte sollte jeder auch weiterhin per Telefon, Brief, Online-Medium und Begegnung im öffentlichen Raum bei notwendigem 2-Meter-Abstand pflegen! Wer den Begriff "Social Distancing" verwendet, ist für mich ein unsoziales Wesen.

Beitrag Nr. 4 habe ich am 23. März an die Märkische Oderzeitung geschickt. Am 28.03.2020 wurde er als Leserbrief gedruckt:


 5.  Die Journalistin Christina zur Nedden kommentiert am 27.03.20 die Corona-Krise im Auslandssender Deutsche Welle (DW): "Europas verpasste Chancen in der Corona-Abwehr".

Die Bundeswehr-Denkfabrik GIDS erwartet in Folge der Corona-Pandemie weitreichende Konsequenzen.

Ausgangssperren und infizierte Regierungschefs: Corona stellt Länder vor immense Probleme. Autokraten reagieren mit rigiden Maßnahmen, Demokratien setzen auf Konsens. Das Coronavirus ist ein Stresstest für die Demokratie.

Der britische Historiker James Holland sagt in einem Interview mit der Deutschen Welle u.a.: "Die Muster menschlichen Verhaltens wiederholen sich". Er betrachtet dabei zuerst den 2. Weltkrieg und wirft einen Blick auf die COVID-19 Epidemie und ihre Auswirkungen.

Die Corona-Krise mit ihren massiven Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft wäre vermeidbar gewesen, meint Michael Meyer-Resende von der Nichtregierungsorganisation Democracy Reporting International. Sein Gastkommentar: In die Corona-Krise geschlafwandelt - Wer hat eigentlich versagt?



 6.  Wie kommen Kulturschaffende an ihr Publikum, wenn öffentliche Veranstaltungen abgesagt sind? Wie kommt das Publikum zur Kultur?
Die Plattform => kultur-bb.digital schafft ein Schaufenster der Brandenburger Kulturszene in Zeiten der Covid-19-Pandemie für alle Akteure im Bereich Kunst und Kultur im Land Brandenburg. Schnell, niedrigschwellig und im Betrieb günstig können digitale Formate präsentiert und ausprobiert werden. Kann man von Online-Aktivitäten leben? Jede/r muss sich jetzt mit dieser schmerzhaften Frage auseinandersetzen: Ist das, was ich tue, systemrelevant?

 7.  Solidarität mit kreativem Gastronomen im Frankfurter Stadtwald:
Am Dienstag, den 31.03.2020, war ich vormittags mal wieder mit dem Rad sportlich im Stadtwald unterwegs und habe bei Wupis Imbiss angehalten. Ich bekam dort wie immer einen guten Kaffee und eine heiße Bratwurst. Er ist einer der ganz wenigen Frankfurter Gastronomen, die das noch anbieten - wenn auch unter erschwerten Bedingungen: Meinen Kaffee und meine Bratwurst darf ich nur draußen geniessen - aber immerhin.


Interessant ist die neue Gutschein-Idee, die der Gastronom jetzt anbietet in der Corona-Krise: Kunden können ab sofort bei Wupi einen Gutschein erwerben im Wert von 10 Euro. Den kann man nach und nach verbrauchen, z.B. gibt es dafür insgesamt 10 Kaffees oder 5 Bratwürste.
Aber man kann auch mehrere Gutscheine erwerben, um sie zu verschenken. Oder man löst sie nach der Corona-Krise irgendwann später ein.
Wie auch immer: Es ist eine kleine Idee, um die große Krise zu überstehen. Jeder kann Wupi oder einen anderen Gastronom solidarisch unterstützen!

Am Donnerstag, den 02. April 2020, hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in einer Videobotschaft zur Corona-Epidemie uns alle dazu aufgerufen, unseren Lieblingsläden Gutscheine abzukaufen. Hiermit empfehle ich einen Gutschein-Kauf bei Wupis Imbiss im Frankfurter Stadtwald:


Unter dem Titel "Brandenburg hält zusammen" bündelt das Märkische Medienhaus aktuelle Hilfsangebote und Informationen aus dem Land Brandenburg. Auf der Homepage zusammen.moz.de können sich zum Beispiel Brandenburger Firmen darstellen und damit auf sich aufmerksam machen.
Auch zu Wupis Imbiss ist dort ein informativer Text eingetragen.


 8.  Wie reagieren künftig TV-Anstalten in ihren Talkrunden auf die Erfahrungen dieser Corona-Krise? Werden sie nun endlich auch mal systemrelevante Menschen einladen? Sind Schauspieler, Musiker und diverse Künstler, die bisher zu diesen Talkrunden eingeladen wurden, wirklich wichtig für die Gesellschaft? Warum gab es bisher keine Müllmänner, Supermarkt-Kassiererinnen, LKW-Fahrer und andere systemrelevante Menschen in den zahlreichen TV-Talkrunden? Wie nachhaltig wird sich die Corona-Krise auf diese TV-Sendungen auswirken? Ich bin gespannt, wie die TV-Anstalten reagieren oder ob der bisherige TV-Trott weitergeht mit diversen Selbstdarstellungen von z.B. nicht systemrelevanten Schauspielern etc.?


12.02.2020

Elfriede-Thum-Strasse kommt!

Am 11.02.2020 veröffentlichte MOZ-Online einen Artikel unter der Überschrift "Frankfurts neues Viertel soll an verdiente Bürgerinnen erinnern". In einem neuen Wohngebiet wird die Hauptverbindungsstraße den Namen der Malerin Elfriede Thum tragen.

Damit würde mein Vorschlag realisiert, den ich im März 2016 öffentlich als MOZ-Leserbrief formulierte und gleichzeitig als E-Mail an die Frankfurter Stadtverwaltung schickte.

Hintergrund ist folgender: Meine 4. Stadtwanderung organisierte ich am 17.02.2016 zum Thema »Durch die Landschaft der Malerin Elfriede Thum«. An der Wanderung nahmen 37 Wanderinnen und Wanderer teil. Wir gingen u.a. durch die südlichen Oderwiesen hin zur ehemaligen Buschmühle und zu den Güldendorfer Weinbergen. Dort stand bis 1945 das Haus der Berliner Malerin Elfriede Thum.

Nach der Wanderung verfasste ich meinen Vorschlag, in Frankfurt (Oder) nach Elfriede Thum eine Strasse zu bennenen. Am 22.03.2016 druckte die MOZ meinen Vorschlag als Leserbrief (siehe links).

Jetzt ist es also soweit: Es wird eine "Elfriede-Thum-Strasse" geben.
Online-Artikel = MOZ-Artikel vom 11.02.2020

02.02.2020

Futurium und Tränenpalast

Zwei Ausstellungsbesuche am 01.02.2020 in Berlin
zu den Themen Zukunft und Vergangenheit


1. FUTURIUM Berlin

Am 05. September 2019 wurde das Berliner Futurium feierlich eröffnet. Seitdem übertrifft das Interesse am "Haus der Zukünfte" alle Erwartungen. Im ersten Monat kamen bereits 100.000 Besucher*innen ins Futurium und widmeten sich der Frage: Wie wollen wir leben?

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Die Ausstellung zeigt fünf Themen aus der Lebenswelt der Besucher*innen: Ernährung, Gesundheit, Energie, Arbeit und das Leben in Städten. Zu entdecken sind unterschiedliche Möglichkeiten, Zukunft zu gestalten – in drei großen Denkräumen Mensch, Natur und Technik. Dort sind die Themen mit den großen Herausforderungen unserer Gegenwart verknüpft. Alle Inhalte wurden von einem wissenschaftlichen Team im Futurium erarbeitet. Zahlreiche Expert*innen aus der Forschung und der Zivilgesellschaft haben bei der Auswahl der Inhalte beraten, beim Konkretisieren geholfen und schließlich Konzepte und Texte überprüft.


Das Futurium Lab ist ein Ort zum Ausprobieren: In kreativen Workshops können sich Besucher*innen aller Altersgruppen spielerisch mit Zukunftstechnologien beschäftigen und an neuen Erfindungen tüfteln. Im Showcase stellen Zukunftsmacher*innen ihre Ideen vor. Das Forum ist der Ort, an dem Menschen miteinander ins Gespräch kommen. Wissenschaftler*innen, Künstler*innen, Zukunftsmacher*innen und Neugierige tauschen Perspektiven aus. Es ist auch der Ort, an dem vielfältige Antwortmöglichkeiten und unterschiedliche Zukunftsentwürfe nebeneinander ihren Platz haben.


„Besonders freut uns, dass viele Menschen spontan in der Ausstellung oder im Lab ins Gespräch über Zukunftsfragen kommen“, so Brandt. „Die Zeit ist offenbar reif für ein Konzept wie das Futurium, das sich ganzheitlich in den drei Dimensionen Natur, Mensch und Technik mit den großen Zukunftsherausforderungen beschäftigt. Mit unserem Programm möchten wir möglichst viele Besucher*innen zur Mitgestaltung einer nachhaltigen Zukunft ermutigen.“


Das Futurium ist ein Haus der Zukünfte. Hier dreht sich alles um die Frage: Wie wollen wir leben? In der Ausstellung können Besucher*innen viele mögliche Zukünfte entdecken, im Forum gemeinsam diskutieren und im Futurium Lab eigene Ideen ausprobieren. Schon heute wissen wir: In der Zukunft müssen wir große Herausforderungen bewältigen. Wie können wir den Klimawandel in den Griff bekommen? Welche Technologien wollen wir künftig nutzen? Dient uns die Technik – oder wir ihr? Wie wollen wir als Gesellschaft zusammenleben – gibt es Alternativen zum „Höher-Schneller-Weiter“? Zukunft entsteht auch durch unsere Entscheidungen und unser Handeln in der Gegenwart. Das Futurium möchte deshalb alle Besucher*innen dazu ermutigen, sich mit Zukunft auseinanderzusetzen und Zukunft mitzugestalten.


Das Futurium ist von Mittwoch bis Montag von 10–18 Uhr und donnerstags von 10–20 Uhr geöffnet; dienstags ist es geschlossen. Ich empfehle einen Besuch am Vormittag, da der Andrang noch nicht so stark ist! Der Eintritt ist kostenfrei.


2. TRÄNENPALAST Berlin

Meine zweite Station am 01.02.2020 in Berlin war der Tränenpalast. Im Tränenpalast, der ehemaligen Abfertigungshalle für die Ausreise von Ost- nach West-Berlin am Bahnhof Friedrichstraße, lädt die Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland seit September 2011 dazu ein, ost- und westdeutschen „Grenzerfahrungen“ nachzuspüren.
Die hohe Besucherresonanz zeigt, dass 30 Jahre nach der Wiedervereinigung das Interesse an der Geschichte der SED-Diktatur, an der deutschen Teilung und deren Überwindung ungebrochen ist. Durchaus bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass immer weniger Besucher persönliche Erinnerungen an das Leben im geteilten Deutschland haben oder gar selbst bei der friedlichen Revolution und dem Mauerfall dabei gewesen sind. Dank regelmäßiger und systematischer Auswertung der Besucherbücher ergibt sich ein interessantes Bild: So ist der Tränenpalast vor allem als „authentischer Ort der Teilung“ ein großer Anziehungspunkt. Dies erklärt, warum mittlerweile 40 Prozent der Individualbesucher aus dem Ausland kommen, und belegt, dass der Tränenpalast ein wichtiger Teil des Tourismusprogramms in Berlin geworden ist – wie auch ein Blick in einschlägige Reiseführer bestätigt.

Dieser kleine Pavillon mit den großen Fenstern mitten in Berlin ist einer der letzten vollständig erhaltenen Überreste der deutschen Teilung. Die ehemalige Ausreisehalle am Bahnhof Friedrichstraße wurde bei der Sanierung wieder in ihren Ursprungszustand von 1962 zurückversetzt. Damals galt sie als ein hochmoderner Bau, transparent, leicht und lichtdurchflutet – ein Vorzeigeobjekt der DDR. Schließlich war sie als Einreisehalle geplant worden und sollte die Besucher in der Hauptstadt der DDR willkommen heißen. Statt freudiger Begrüßungen fanden vor dem Gebäude jedoch fast 30 Jahre lang schmerzliche Abschiedsszenen statt. Die Ostdeutschen brachten ihre Westverwandtschaft am Ende des Besuchs in Ost-Berlin zum Tränenpalast, wie der Volksmund die Ausreisehalle bald nannte; oft ein Abschied auf unbestimmte Zeit, mit wenig Hoffnung, einmal selbst durch die Halle auf die andere Seite – in den Westen – gehen zu dürfen.
Die Tages-Exkursionen des Frankfurter Kunstvereins organisiert das Vereinsmitglied Hans-Georg Winter (siehe Foto unten). Die Exkursionsteilnahme ist für alle möglich - ohne Vereinsmitgliedschaft!