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25.05.2021

Der Weg zur Kleist-Route

Im August 2009 fand ich in einer DB-Zeitschrift einen Artikel über den Schiller-Radweg in Marbach. Beim Lesen dachte ich sofort an Frankfurt (Oder) und Heinrich von Kleist. Warum gab es bisher in Frankfurt (Oder) noch keinen Kleist-Radweg? Wer könnte solch ein Radweg-Projekt hier anschieben? Ich entschied mich dafür, dieses Projekt selbst anzustoßen. In einer Mail an die Stadtboten-Redaktion der Märkische Oderzeitung erläuterte ich meine Kleist-Radweg-Idee. Die MOZ druckte meine Mail am 20.08.2009:
Aufgrund meines MOZ-Artikels schickte mir der SVV-Abgeordnete Jörg Gleisenstein eine Mail mit seiner Telefonnummer. Ich rief ihn an und wir unterhielten uns über meine Radweg-Idee. Im Ergebnis unseres Telefongespräches versprach Herr Gleisenstein, aus meiner Idee einen Vorschlag für die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung zu formulieren. Im September 2009 beschloss die Frankfurter SVV einstimmig, einen Kleist-Radweg in Frankfurt und Slubice anzulegen. Nach drei Jahren wurde im Sommer 2012 die Kleist-Route offiziell eingeweiht:
Information der Frankfurter Stadtverwaltung:
Kleist-Route durch Frankfurt (Oder) und Slubice


Ein Jahr vor Abschluss des Kleist-Radweg-Projektes schrieb ich am 11.04.2011 einen Brief an den damaligen Slubicer Bürgermeister, Herrn Tomasz Ciszewicz. Darin bat ich um die Verbesserung jenes Wald- und Feldweges, der als "Sportowa" hinter dem Slubicer Stadion in Richtung Pferderanch Drzecin führt. Inzwischen gibt es ein Radweg-Projekt, das zur Zeit in der Projektions- und Finanzierungsphase steckt. Irgendwann in den kommenden Monaten soll mit dem Bau dieses Radweges begonnen werden. Meine Anregung zu diesem Slubicer Radweg trägt also auch Früchte:

07.12.2020

Kleistturm-Projekt

Am 12.11.2019 schrieb ich zwei Briefe mit identischem Textinhalt:
Einen Brief übergab ich im Slubicer Rathaus, adressiert an Mariusz Olejniczak (Bürgermeister von Slubice). Einen Brief übergab ich im Frankfurter Rathaus, adressiert an Rene Wilke (Oberbürgermeister von Frankfurt/Oder).


Mein Doppelbrief:
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Mariusz Olejniczak,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Rene Wilke,

am 15.01.1999 habe ich in zwei gleichlautenden Briefen an Ihre Vorgänger, Herrn Ryszard Bodziacki und Herrn Wolfgang Pohl, für meine Idee vom Wiederaufbau des Kleist-Turms geworben. Die Briefe liegen mittlerweile in den Stadtarchiven. Auf meiner Homepage kann sie jeder Interessent nachlesen. Heute schicke ich Ihnen erneut einen Brief nach Slubice und nach Frankfurt. Leider erhielt ich damals aus Slubice nie eine direkte persönliche Reaktion. Erst sechs Jahre später, am 22.10.2005, präsentierte Herr Bodziacki in einem überraschenden Artikel der Märkischen Oderzeitung ein Turmmodell und reagierte damit erstmals indirekt auf meinen Brief und meine Idee. Dass er mit seiner Turmbau-Initiative auf die damalige Tram-Diskussion in Frankfurt (Oder) Einfluss nehmen wollte, sei hier nur am Rande erwähnt. Inzwischen fährt eine Buslinie. Bürgermehrheiten in Slubice und in Frankfurt (Oder) haben erfolgreich gegen das kostenintensive Tram-Projekt demokratisch gestimmt.
Aber immerhin nahm er 2005 nicht nur Bezug auf meine Turmbau-Idee von 1999, sondern als Slubicer Politiker setzte er damit eine Entwicklung in Gang, die sogar nach seiner Amtszeit bis zum heutigen Kleist-Turm-Projekt führte.
Heute sehe ich Slubice damit an einem Punkt, wo eine Neu-Ausrichtung des Turmbau-Projektes mir dringend notwendig erscheint:
Während der ehemalige Kleistturm 1891/92 von einem Bürgerverein geplant, finanziert und gebaut wurde, wird das heutige Turm-Projekt lediglich von hauptberuflichen Slubicer Stadtverwaltern und Politikern unterstützt. Die Slubicer Bürgerschaft ist in dieses Turm-Projekt offenbar nicht einbezogen. Um das Turm-Projekt erfolgreich abzuschließen, schlage ich Ihnen vor:
1. Machen Sie aus dem Kleist-Turm-Projekt ein Kościuszko-Turm-Projekt: Bauen Sie den Turm nicht in erster Linie für den deutschen Dichter Ewald von Kleist, sondern ehren Sie damit vor allem und gleichzeitig den polnischen Nationalhelden Tadeusz Kościuszko (1746-1817). Mit dieser Projekt-Umbenennung werden Sie bei Slubicer Bürgern sicher Zustimmung finden.
2. Gründen Sie in Slubice mit interessierten Bürgern einen Turm-Verein, der die Planungen und den Bau mit bürgerschaftlicher Kritik direkt begleitet. Die Vereinsmitgliedschaft sollte offen sein für interessierte Frankfurter Bürger! Nur wenn die Bürger mit einbezogen werden, macht das Projekt langfristig Sinn!

Mit freundlichen Grüssen
Roland Totzauer



Mit Datum 08.01.2020 erhielt ich diesen Antwortbrief in polnischer und in deutscher Sprache, unterschrieben von beiden Bürgermeistern:

Sehr geehrter Herr Totzauer,

wir bedanken uns für Ihr Interesse am Kleistturm-Projekt.
In der langen Geschichte dieses Projekts haben beide Stadtverwaltungen viele Ideen von Bürgerinnen und Bürgern aufgenommen. Diese betrafen nicht nur die Idee für das Projekt als solche, sondern auch den Umgang mit den Ruinen des historischen Kleistturms und die Gestaltung der näheren Umgebung des Neuen Kleistturms. Derzeit befindet sich das Projekt in der konkreten Planungsphase. Wenn der Kleistturm steht, werden wir interessierte Einrichtungen, Bürgerinnen und Bürger und Gewerbetreibende einbeziehen, um die entstandene Infrastruktur optimal zu nutzen. Wir wollen den Namen des Turms beibehalten, weil die Familie derer von Kleist mit unserer Doppelstadt und der Region verbunden ist. Das ist bei Tadeusz Kosciuszko nicht der Fall.
Wir wünschen Ihnen bei der Realisierung Ihrer Ideen und Projekte für unsere Doppelstadt auch weiterhin viel Erfolg und verbleiben mit freundlichen Grüßen.

Mariusz Olejniczak und Rene Wilke



Am 04.12.2020 informierte die Märkische Oderzeitung [in einem Artikel], dass die Stadt Slubice jetzt mit dem Bau des Fundaments für den neuen Kleistturm begonnen hat. Im Sommer 2021 soll er fertig sein. Am 06.12.2020 [fotografierte ich die Kleistturm-Baustelle] in Slubice.
Die Baustelle des neuen Kleistturms ist Ende März 2021 bereits sichtbar:
Am 30.03.2021 bin ich mit meinem Rad am Frankfurter Oderufer entlang geradelt. Dabei schaute ich auch in Richtung des Slubicer Höhenzuges, der hinter dem Slubicer Hafen und dem Slubicer Stadion aufragt. Dort entsteht gerade der neue Kleistturm. Seine Stahlbetonsäulen sind bereits vom Frankfurter Oderufer aus gut sichtbar (siehe Fotos)! Leider konnte ich heute nicht an die Turmbaustelle heran - aus bekannten Corona-Gründen. Der Zoom meines Fotoapparates verschaffte mir Einblick in den Baufortschritt. Wahrscheinlich wird der Turm irgendwann in diesem Jahr offiziell eingeweit. Als ich im Januar 1999 an die beiden Bürgermeister von Slubice und Frankfurt (Oder) um Unterstützung für die Idee des Wiederaufbaus bat, war ein Erfolg bzw. ein mogliches Aufbaudatum nicht erkennbar. Slubicer Politiker haben meine Projekt-Idee im Laufe der zurückliegenden Jahre seit 1999 mal aufgegriffen, mal verworfen und dann wieder aufgegriffen. Nun entsteht der neue Kleistturm unter neuen historischen Bedingungen. Der erste Kleistturm entstand 1891/92 unter Leitung eines Frankfurter Bürgervereins, wurde aber leider im Februar 1945 von deutschen Soldaten gesprengt. Der zweite Kleistturm hat nun hoffentlich länger Bestand!

12.09.2020

Kurze Nacht der Museen

Am 11. September 2020 fand die diesjährige "Kurze Nacht der Frankfurter Museen" statt. Ich nutzte diesen Abend und besuchte bei freiem Eintritt drei Frankfurter Einrichtungen:

In der Frankfurter Rathausgalerie herrschte noch relativ großer Andrang. Das hing mit der dort gerade zu Ende gegangenen Eröffnung zusammen, bei der die Brandenburgische Kulturministerin anwesend war. Die Ausstellung "Ich Du Wir – Bildnisse in der DDR. Malerei und Bildhauerei aus der Sammlung des BLMK" widmet sich dem ikonografischen Aspekt des Bildnisses in der DDR.
Das können Einzel- und Gruppenporträts sein, die wiederum fiktive Szenerien, Gleichnishaftes und individuelle Porträts darstellen. Anzutreffen sind realistische, veristische, idealistische (Sozialistischer Realismus), expressive, kubistische und impressionistische Formsprachen. In der DDR stand als kulturpolitische Forderung die Ideologie vom Neuen Menschen. Das war mit der kulturpolitischen Reglementierung seitens des Staates verbunden, der ein sozialistisches (idealisiertes) Wir einforderte.
Zugleich war diese Forderung eingebunden in die prinzipielle Unterdrückung eines jeden Einzelnen. Diese Fiktion der Gleichschaltung ebbte als Forderung an die Kunst in den Siebzigerjahren allmählich ab, verschwand aber nicht. Dem entgegengesetzt wurden die Künstler*innen nicht müde, das Ich zu verbildlichen und das Individuelle im Gegenüber, im „Du“ ausfindig zu machen.
Dabei musste jede Künstlerin und jeder Künstler für sich die mehr oder weniger existenzielle Entscheidung treffen, wie man sich unter diesen Bedingungen verhält – wie die eigene Kunst auszusehen hat. Allein ihnen oblag es, wie weit man sich in den schöpferischen Prozess einer Spätmoderne hinein begab und deren Begrenzungen auslotete. Dafür war in der DDR die Malerei DAS Medium, welches eine gewisse Popularität genoss und Breitenwirkung entfaltete.
Von 66 Künstler*innen sind 90 Malereien und Werke der Bildhauerei aus der Sammlung des BLMK in loser Chronologie und stilistisch sich voneinander absetzend angeordnet. Das soll dem Betrachter eine eigene differenzierte Sicht auf die sich oft widersprechenden Positionen innerhalb des gleichen Zeitabschnittes ermöglichen.

Das Frankfurter Stadtmuseum Viadrina präsentierte die Sonderausstellung "Krieg und Frieden in Brandenburg. Frankfurt (Oder) 1945". Die Ausstellung zeichnet zum 75. Jahrestag der Befreiung und Besetzung der Stadt die wichtigsten Themen der Nachkriegszeit nach und fragt gleichzeitig, welche persönlichen Erinnerungen und Nachlässe die heute in der Stadt Lebenden mit der Weltkriegszeit verbinden. Die Folgen von Krieg und Frieden spiegeln sich in Frankfurt (Oder) wie in kaum einer anderen Stadt im Land Brandenburg wider. Auf die verschiedenen Facetten einer Zeitenwende um das Jahr 1945 wird mit der Sonderausstellung an dem Ort erinnert, der bis zu diesem Datum unumstritten als Hauptstadt Ostbrandenburgs fungierte.
Als Verwaltungs- und Militärstandort kommt der Stadt eine wichtige Bedeutung in der Geschichte von Krieg und Gewalt zwischen 1939-1945 zu. Im Jahr 1945 wird Brandenburg zum Kriegsschauplatz im Zweiten Weltkrieg. Frankfurt ist verstrickt Kampfhandlungen und NS-Verbrechen, die Stadt wird selbst zum Schlachtfeld, schließlich nach Plünderung und Brandschatzung im Zentrum ausradiert. Das über Jahrhunderte gewachsene Kulturerbe ist verloren und zerstört. Exemplarisch lassen sich hier die Folgen des Krieges studieren. Frankfurt wird geteilt und liegt nun erstmals an der deutsch-polnischen Grenze.

Das Kleist-Museum lud ein zu einer Reise in ein Randgebiet der Kleistforschung. Aus dem Archiv des Museums und der Sammlung Burkhard Wolter wurde eine Auswahl selten gezeigter Objekte zusammengestellt, die auf den ersten Blick vielleicht wie ein Sammelsurium, eine wilde Mischung von Souvenirs und Überbleibseln der Rezeption erscheint.
In Anlehnung an Kleists Betrachtung zeigt sich jedoch, wie diffizil der Umgang mit dem "seltsamen Ding Nachruhm" sein kann. Hier begegnen wir Kleist ungeschützt, nicht autorisiert. Man bemächtigte sich in den vergangenen 200 Jahren vielfach seiner Worte und seines vermeintlichen Abbildes, sei es in der hehren Absicht einer Würdigung oder nur zur Zier eines Produktes im Dienste des Marketings. Abhängig vom Zeitgeist stellt sich mitunter auch die Frage der Instrumentalisierung von Person und Werk.

11.10.2019

30 Jahre nach dem Mauerfall 1989

Die Märkische Oderzeitung bat vor kurzem darum, dass Leser sich an das Mauerfall-Wochenende - 09.11. bis 12.11.1989 - erinnern und Fotos eventuell vorhandener Mauerreste präsentieren.
Diese Aufforderung nahm ich zum Anlass, meine Erinnerungen an die Tage nach dem Mauerfall in knappen Sätzen aufzuschreiben und per E-Mail einzusenden.
Heute, am 11.10.2019, veröffentlichte die MOZ einen Artikel mit meinen Erinnerungen unter der Überschrift "In den Westen zu Kleists Grab". Auf der Homepage der MOZ kann man den Artikel auch online nachlesen!

Bitte kleine Vorschaubilder anklicken = Originalgröße!



13.03.2019

Geschichten um den Kleiststein

Die Schlacht bei Kunersdorf und der Kleiststein bei Kunowice

Am 12. August 1759 waren die Armeen der damaligen europäischen Großmächte Österreich, Russland und Preußen in der Nähe von Frankfurt (Oder) aufmarschiert. Sie stießen in Kunersdorf (heute polnisches Kunowice, Vorort von Slubice) aufeinander. Diese Schlacht zählt zu den größten des Siebenjährigen Krieges, dem ersten Konflikt mit einer globalen Reichweite.
Kriegsopfer, ca. 35.000 Tote und Verwundete, waren nicht nur Deutsche, Russen und Österreicher, sondern auch Vertreter anderer Völker – Slawen, Balkanvölker, Kosaken und Ungarn. Die Kunersdorfer Schlacht ist ein wahrlich europäischer Teil unserer Regionalgeschichte.
Am 15.08.2009 fand in Kunowice eine Nachstellung der Schlacht statt.

An der Schlacht von Kunersdorf nahm auch der deutsche Dichter Ewald von Kleist als preussischer Offizier teil. Am 12. August 1759 drang er an der Spitze seines Bataillons gegen eine feindliche Batterie vor. Er wurde an der rechten Hand schwer verwundet. Drei Kartätschenkugeln zerschmetterten sein rechtes Bein. Ohnmächtig blieb Kleist die Nacht über auf dem Schlachtfeld liegen, wurde von Kosaken ausgeplündert und erst am nächsten Tag nach Frankfurt (Oder) gebracht.

Am 24. August 1759 erlag Kleist in Frankfurt (Oder) seinen Verletzungen und wurde von der russischen Garnison begraben. Kleist war Mitglied einer Freimaurer-Loge. 1780 setzte die Freimaurer-Loge „Zum aufrichtigen Herzen“ in Frankfurt (Oder) ein Grabdenkmal für Ewald von Kleist. Ihm zu Ehren und zur Erinnerung an die anderen Toten der Kunersdorfer Schlacht entstand von 1891 bis 1892 der Kleistturm - finanziert durch Bürgerspenden. 1945 haben deutsche Soldaten den Turm gesprengt.
Meine Idee, den Kleistturm wieder aufzubauen, habe ich 1999 mit zwei Rathaus-Briefen in die Öffentlichkeit getragen. Am 22.10.2005 hat sich der damalige Slubicer Bürgermeister Bodziacki erstmals in einem MOZ-Zeitungsartikel zu meiner Idee und zum Wiederaufbau des Kleistturms bekannt.

Am 11.09.1999 weihten Mitglieder des Heimatkreises Weststernberg gemeinsam mit der Slubicer Stadtverwaltung nördlich von Kunowice den Gedenkstein für Ewald von Kleist ein.


Der Bernauer Autor und ehemalige Redakteur vom „Weststernberger Heimatbrief“, Karl-Heinz Schneider, berichtete über diesen Vorgang:

„Spurensuche führt natürlich immer zu Erkenntnisgewinn – zu erfreulichen aber leider auch zu schmerzlichen Erkenntnissen. Das beweisen sehr anschaulich zwei Gedenksteine. Der eine Stein steht an der Ilanka in Rosiejewo, einst Pulverkrug, in einem Ort, den es heute nicht mehr gibt. Bis 1945 stand an der Eilang in Pulverkrug eine der modernsten Papierfabriken Brandenburgs. Gegründet hatte sie 1539 der Kurfürst, um das an der Viadrina benötigte Schreibpapier zu produzieren. 1939 stellten die Pulverkruger zum 400. Jahrestag des Bestehens dieser Papierfabrik einen Gedenkstein auf, der ab 1945 verschwunden war. Unsere Spurensuche führte uns diesmal nicht nur an, sondern in die Eilang, aus der wir dann tatsächlich diesen 6-Tonnen-Findling mit schwerer Technik bergen konnten.
Mit Unterstützung der Słubicer Stadtverwaltung und dem Kulturamt der Wojewodschaft in Gorzów-Landsberg versahen wir diesen Stein mit einer deutsch-polnischen Schrifttafel, ein deutscher Pfarrer und ein polnischer Priester weihten ihn unter dem Hörnerklang einer Rzepiner Jagdbläsergruppe am 22.September 1997 als Gedenkstätte am Ilanka-Ufer ein. Dieser Stein verkörpert also auch direkt ein Stück Geschichte der heutigen Europa-Universität.
Nur diese heutige Viadrina nahm trotz damaliger Einladung zur Einweihung keinerlei Notiz von dieser kleinen Gedenkstätte, diesem Lesezeichen eigener Universitätsgeschichte – am Ilanka-Ufer. Noch trauriger verhält es sich mit dem Gedenkstein für den Dichter Ewald von Kleist in Kunowice. Nach langer und aufwendiger Spurensuche unter Beteiligung polnischer und deutscher Heimatforscher setzten wir diesen Stein – gemeinsam mit der Stadtverwaltung in Słubice – am 11. September 1999 in unmittelbarer Nähe jener Stelle, an der am 12. August 1759 Ewald von Kleist in der Kunersdorfer Schlacht tödlich verwundet wurde. Auch dieses Ereignis wurde von offizieller deutscher Seite – sowohl vom Kleist-Museum als auch von der Stadt Frankfurt –, obgleich es sie keinen Pfennig gekostet hätte, ignoriert.“

Nachdem der Kleiststein 1999 nördlich von Kunowice offiziell aufgestellt war, machte er eine Entwicklung durch, die ich unten mit über 30 Fotos dokumentiere. Mein erstes Foto vom Kleiststein entstand 2005. Seither kamen ständig weitere hinzu. Nicht in jedem Jahr fotografierte ich den Stein. Oft fuhr ich mit meinem Fahrrad vorbei, ohne anzuhalten. Oft war ich mit anderen Radfahrern unterwegs. Manchmal hielten wir dort an, um den Stein und das Kleist-Routen-Schild zu inspizieren. Manchmal radelten wir dort auch einfach nur vorbei ohne anzuhalten, denn die meisten Radtour-Teilnehmer kannten inzwischen den Stein. Auch deshalb entstanden nicht in allen Jahren seit 2005 neue Fotos vom Kleiststein.

Die Tafel am Kleiststein wurde bereits kurz nach ihrer Anbringung zerstört. Einige Reste der Tafel habe ich in der näheren Umgebung im Gras gefunden und mit nach Hause genommen. Wegen der abgeschiedenen Lage des Kleiststeins sollte es keine Ersatztafel geben, zumal das daneben stehende Schild der Kleist-Route genau informiert, warum der Kleiststein hier steht. Übrigens ist der Kleiststein kein Findling, wie fälschlicherweise auf dem Kleistrouten-Schild behauptet wird...
Bitte kleines Vorschaubild anklicken = Großes Bild!

Nach einer kurzen Suche fand ich 2006 in der grasigen Umgebung des Kleiststeins die hier fotografierten Reste der Kleiststein-Tafel. Nach dem Beitritt Polens zum Schengener Abkommen am 21.12.2007 fielen die Grenzkontrollen weg. Kurz danach transportierte ich die bis dahin versteckten Tafelreste in meine Wohnung. Dem Schöpfer dieser Tafel muß ich Respektlosigkeit vorwerfen: Auf polnischem Territorium sollte der polnische Text stets vor dem deutschen stehen! Ein Grund für Frustration & Aggression. Übrigens hat man für den Ort Pulverkrug 1997 eine andere Lösung für den Erinnerungstext bevorzugt, die noch heute funktioniert - eine schwere Steintafel - leider auch wieder mit falscher Textreihenfolge:

Auf unbekannte Weise verschwand der Kleiststein zwischen dem 13.09. und 12.10.2006. Nachdem ich dies bemerkt hatte, alarmierte ich per Mail sofort sämtliche Slubicer E-Mail-Adressen, derer ich habhaft werden konnte und informierte auch gleichzeitig das Frankfurter Rathaus und die Frankfurter Tourist-Information. Am 12.10.2006 fuhr ich erneut zum Standort und siehe da - der Kleiststein stand plötzlich wieder an seinem Platz. Bei meinem Besuch am 15.01.2007 stand der Stein auf einem neuen Fundament. Warum der Stein damals verschwand - ohne dass etwas an ihm geändert wurde - könnte nur das Slubicer Rathaus wissen.
Die Idee für die Kleist-Route stammt übrigens von mir: Im August 2009 hat die MOZ meine Idee in einem kurzen Artikel veröffentlicht. Daraufhin hat sich der SVV-Abgeordnete Gleisenstein bei mir gemeldet und er hat aus der Idee einen SVV-Antrag formuliert. Die SVV hat im September 2009 dem Antrag zugestimmt und die Frankfurter Stadtverwaltung mit der Umsetzung beauftragt. Dies war damals die Tourismus-Beauftragte Kankeleit. Im Sommer 2012 wurde die Kleist-Route eingeweiht:
Bei einer Radtour am 29.10.2013 musste ich leider feststellen, dass das Kleistrouten-Schild abmontiert war. Nachdem ich das Schild im Gebüsch fand, versteckte ich es in der näheren Umgebung. In den Tagen danach besuchte ich einen Baumarkt, um passende Sicherheitsschrauben zu kaufen. Am 23.11.2013 fuhr ich gemeinsam mit Edeltraut L. zum Kleiststein, um das Kleistrouten-Schild wieder zu montieren - die Sicherheitsschrauben halten es bis heute am Rahmen - trotz eines brutalen Demolierungsversuches (siehe Fotos vom 16.05.2014).

Einen Auslöser für polnische Agressionen gegen das Kleistrouten-Schild sehe ich auch in der Tatsache, dass der deutsche Text oben auf dem Schild steht und erst darunter folgt der polnische Text. Immerhin befindet sich das Schild auf polnischem Territorium! Daher empfinde ich die Gestaltung dieses Schildes als unsensibel und deutsch-arrogant.


Eine Bemerkung erlaube ich mir: Wahrscheinlich bin ich einer der ganz wenigen Frankfurter, die seit Jahren regelmäßig zum Kleiststein radeln und das Schicksal des Steins beobachten. Auch 2019 werde ich dort wieder mehrmals vorbei radeln - allein oder mit einer Radgruppe.
Eines will ich an dieser Stelle auch noch erwähnen: Von 2011 bis 2017 habe ich in der Nähe des Kleiststeins einen Geocaching-Behälter versteckt. Mit seiner Hilfe gelang es mir, zahlreiche deutsche und polnische Anhänger des Geocaching-Spiels zum Kleiststein zu locken. Vielleicht kommt eines Tages eine offizielle Stelle in Slubice oder Frankfurt (Oder) auf die Idee, mit Geocaching auch wieder Touristen zum Kleiststein und anderen touristischen Hotspots zu locken?

Am 19.02.2019 veröffentlichte die Märkische Oderzeitung den Artikel "Kleist-Findling fehlt die Plakette". Ich weiß, dass die Plakette vor mindestens 15 Jahren zerstört wurde. Die Plakettenreste habe ich 2006/2007 nahe dem Stein gefunden und geborgen! Jetzt wurde dieser uralte Fakt also zu einem Thema für die Märkische Oderzeitung, die in ihrem Artikel u.a. den Leiter Stadtmarketing Stephan Felsberg zitiert: "Uns war der Diebstahl bisher nicht bekannt." Im Umkehrschluß bedeutet das, dass Herr Felsberg den Kleiststein seit mindestens 15 Jahren, also wahrscheinlich noch nie gesehen hat! Ein aufschlussreiches Armutszeugnis, nicht nur für Herrn Felsberg. Sein beruflicher Abgang vom Frankfurt-Slubicer Tourismusbüro ist meiner Meinung kein Verlust!

Auf eines müssen sich die Leser der Märkischen Oderzeitung leider immer wieder permanent einstellen: Nach einem erneuten Journalisten-Wechsel innerhalb der MOZ-Stadtboten-Redaktion geht jedes Mal wertvolles Hintergrundwissen verloren. Deshalb schlage ich der MOZ vor, dass sie sich eine Datenbank anlegt mit Namen, Telefonnummern und Mail-Adressen von Bürgern, die als Lokal- und Regional-Experten angesprochen werden können. Ich stehe gern als Ansprechpartner für das Thema "Radfahren und Wandern rund um Frankfurt (Oder) und Slubice" bereit. Diese Lokal-Experten könnten allen alten und neuen Lokal-Journalisten, aber auch deutschen und polnischen Politikern helfen, Zeit zu sparen bei Recherchen und - wie im oben gezeigten Artikel leider passiert - verhindern, dass keine längst bekannten Fakten als neues Wissen veröffentlicht werden. Dafür mache ich in erster Linie die Chefredaktion der Märkischen Oderzeitung verantwortlich und nicht die junge Artikel-Autorin!