08.04.2019

Max Heilmann in Frankfurt (Oder)

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Sonder-Ausstellung: Max Heilmann
07.04. - 02.06.2019 im Museum Viadrina Frankfurt (Oder)

Am Sonntag, den 07. April 2019, wäre Max Heilmann, einer der bedeutendsten Chronisten Frankfurts, 150 Jahre alt geworden. Das Museum Viadrina und das Stadtarchiv würdigen den Grafiker und Kunstmaler mit einer Einzelausstellung.

Gezeigt werden 30 Werke Heilmanns. Darunter 24 Grafiken aus dem Stadtarchiv, die durch Ölbilder und Aquarelle aus dem Bestand des Museums ergänzt werden, vorrangig aber einen Bezug zur Stadt haben. Ergänzt werden die Bilder durch Fotos, Dokumente, Briefe, aber auch Druckplatten, Werkzeuge und Werkstoffe aus dem Nachlass Heilmanns, die von der Familie Reinhold zur Verfügung gestellt wurden.


Max Heilmann wurde am 7. April 1869 im schlesischen Schmiedeberg geboren und verbrachte die längste Zeit seines Lebens in seiner Wahlheimat Frankfurt (Oder). Einen beachtlichen Teil seines Schaffens bildeten Radierungen, in denen er mit akribischer Genauigkeit z.B. Szenen aus dem Frankfurter Stadtpanorama und dem Umland festhielt. Liebevoll skizzierte er bekannte Frankfurter Bauwerke, wie das Rathaus, St. Marien, die Georgenkirche oder den Bahnhof. Seine Radierungen wurden in hoher Auflage gedruckt und fanden Einzug in viele Bürgerhäuser und öffentliche Häuser der Stadt sowie in Kunstmuseen auch außerhalb Frankfurts.

Anlässlich der Ausstellungseröffnung in der Frankfurter Kunsthalle im damaligen Stadttheater im Februar 1926 – da war Heilmann bereits auf dem Höhepunkt seines Schaffens – hieß es am 23. Februar 1926 im "Frankfurter Volksfreund": "Die Motive sind nicht gesucht, sondern gefunden. Heilmann verzichtet auf jede Effekthascherei … Er holt überall das Wesentliche heraus. Einer Erklärung bedürfen die Bilder Heilmanns eigentlich nicht."


Die handwerklichen Fähigkeiten hierfür erwarb Heilmann, der eigentlich Architekt werden wollte, in seiner Lehrzeit als Maurer und Bauzeichner. Nach dem Besuch des Realgymnasiums in Breslau studierte er ab 1885 an der Breslauer Kunst- und Gewerbeschule sowie an der Kunstakademie zu Weimar. 1895 legte er die Prüfung als akademischer Zeichenlehrer ab. Damit besaß er die besten Voraussetzungen, um sich für die am Frankfurter Friedrichsgymnasium ausgeschriebene Stelle zu bewerben. 1896 wurde er als Lehrer für Zeichnen, Musik und Sport dorthin berufen.

Gemeinsam mit seiner Frau Marta, (geb. Augstein), seiner Jugendliebe, die er 1896 geheiratet hatte, bezog er nun in Frankfurt seine erste Wohnung in der Fürstenwalder Straße. Auch außerhalb des Unterrichts widmete sich Heilmann der Förderung begabter Schüler in Malzirkeln, hielt Fachvorträge im Kunstverein und schuf selbst zahlreiche Werke, die nun immer häufiger in den Schaufenstern der Buch- und Kunsthandlungen der Stadt oder auf Ausstellungen zu sehen waren.


Doch Heilmann machte sich mit seinem künstlerischen Schaffen weit über die Oderstadt hinaus einen Namen: In der Berliner Großen Kunstausstellung, im Münchner Glaspalast, in Düsseldorf, Hannover und Dresden waren seine Werke zu bewundern. Selbst zur Weltausstellung in Chicago versandte er Arbeiten.

Weniger bekannt ist, dass Max Heilmann aktives Mitglied der Freimaurer war. Seit 1906 gehörte er zur Frankfurter Sankt Johannisloge "Zum aufrichtigen Herzen". An der künstlerischen Ausgestaltung des Logensaals war er maßgeblich beteiligt. In seinen Lebenserinnerungen schrieb er: "In Frankfurt brachte ich viele Wochen (vermutlich um 1929, d.Verf.) mit der Ausmalung der Wände in der Loge IV zu, die zur allgemeinen Bewunderung ausfiel (in Wachs-Kasein-Farbe)." Die Freimaurerloge wurde 1935 durch die Nationalsozialisten verboten. Das Frankfurter Logengebäude hat das Ende des Zweiten Weltkrieges unbeschadet überdauert.


Abgesehen von seinen bildkünstlerischen Tätigkeiten war Heilmann auch musikalisch begabt. Die Liebe zur Musik hatte er wohl von seinem Vater, der Kapellmeister und später Gastwirt war, geerbt. Er trat gelegentlich auf öffentlichen Konzerten mit seiner Laute auf und komponierte eigene Lieder.

Im Verein "Wandervogel" schätzte er das gesellige Miteinander, gemeinsames Musizieren und Wanderungen in die märkische Landschaft. Neben Radierungen entstanden Aquarelle und Ölbilder, in denen er seine Liebe zur märkischen Landschaft zum Ausdruck brachte.

Darüber hinaus war er als "Gebrauchsgrafiker" tätig, fertigte Urkunden, illustrierte Bücher und Zeitschriften, lieferte Vorlagen für Postkarten und vieles mehr. Auf dem Höhepunkt seines Schaffens konnte Max Heilmann auf ein beachtliches Werk zurückblicken. Allerdings ging während des Zweiten Weltkrieges ein großer Teil seiner Werke verloren.

Am 1. Oktober 1929 – im Alter von 60 Jahren – trat Heilmann in den Ruhestand. Für seine Verdienste als Zeichenlehrer – die Qualität seines Unterrichtes wurde mit der einer Kunstschule verglichen – hatte man ihm den Titel "Studienrat" verliehen. Er arbeitete nun als freischaffender Künstler weiter, erhielt jedoch ab 1933 nur noch wenige öffentliche Aufträge. Er nutzte die Zeit für Bildungsreisen, unter anderem nach Italien, das ihn durch seine landschaftliche Schönheit und antiken Bauwerke stark beeindruckte und zu weiteren Werken inspirierte: So entstanden Gemälde des antiken Theaters in Syrakus und des Poseidontempels in Paestum. Das gleichnamige Ölbild schenkte er 1931 dem Friedrichsgymnasium.


1945 – als die Stadt zur Festung erklärt wurde – musste Heilmann sein Haus in der Hegelstraße, das sein Schwiegersohn als Architekt nach seinen Wünschen entworfen hatte, verlassen. In Adendorf bei Lüneburg fand er Aufnahme bei Freunden. Eine schwere Erkrankung verhinderte in den letzten Lebensjahren das weitere Schaffen, auch eine Rückkehr nach Frankfurt war ihm nicht mehr möglich. Jedoch blieb er der Stadt durch Briefwechsel mit Frankfurtern, wie zum Beispiel mit Archivarin Elfriede Schirrmacher, weiterhin verbunden und gab 1953, anlässlich des 700-jährigen Jubiläums der Stadt Frankfurt, seine Arbeiten zum Druck einer 10-teiligen Postkartenserie frei.

Am 27. Januar 1956 verstarb Max Heilmann in Scharnebeck bei Lüneburg. In ihrem Nachruf (Kulturspiegel, 1956) schrieb Elfriede Schirrmacher: "Uns Frankfurter hat er mit seinem Schaffen reich beschenkt und er hat unserer alten Stadt den wertvollsten Dienst erwiesen, als er ihre schlichte, architektonische Schönheit und ihr buntes Leben und Treiben in seinen Bildern festhielt. So wenig wie wir konnte er damals ahnen, dass er damit Dokumente schuf, die der aufwachsenden Generation das alte Bild unserer Stadt bestens zu vermitteln vermögen, ja einen Hauch von ihrem Geiste spüren lassen."

Autorin: Sigrid Riedel - Mitarbeiterin im Stadtarchiv Frankfurt (Oder).
Zusammen mit Dr. Sonja Michaels vom Museum Viadrina hat sie die Ausstellung kuratiert. Dieser Text erschien am 04.04.2019 in der MOZ.


Ausserhalb dieser temporären Max-Heilmann-Ausstellung gibt es einen Ort in den österreichischen Alpen, an dem bereits seit vielen Jahrzehnten Grafiken von Max Heilmann hängen: in der Winnebachseehütte!
Die Hütte wurde um 1900/1901 von der DAV-Sektion Frankfurt (Oder) erbaut und steht in den westlichen Stubaier Alpen oberhalb von Gries im Sulztal auf 2.362 Meter Höhe. Nach dem 2. Weltkrieg übernahm ab 1955 die DAV-Sektion Hof die Winnebachseehütte und pflegt seitdem die Erinnerung an die Frankfurter Erbauer-Sektion. Einige Max-Heilmann-Grafiken wurden lange vor 1945 von den Frankfurtern in der Hütte plaziert und sind heute dort noch immer zu sehen.
Dieses Foto aus der Homepage Winnebachseehütte (Copyright by Nina Riml 2010) zeigt rechts an der Wand eine Max-Heilmann-Grafik. Zu sehen ist Frankfurt (Oder) mit der Franziskanerkirche (Konzerthalle), die Oder und eine Oderbrücke. Ich suche auf diesem Weg weitere Fotos, die Max-Heilmann-Bilder in der Winnebachseehütte zeigen!

01.04.2019

Lärm von Frankfurter Bahntrasse


2009 schrieb ich einen Brief an die Deutsche Bahn zum Thema "Lärm durch Bahntrasse in Frankfurt (Oder)". Dieser Brief kam als Antwort:

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Seit dem DB-Brief sind fast 10 Jahre vergangen. Am 01.04.2019 schrieb ich erneut an die Deutsche Bahn - nun per E-Mail:

Sehr geehrte Damen und Herren,
im Jahr 2009 erhielt ich von der DB Netze einen Brief, den ich Ihnen als digitale Kopie mit dieser Mail zusende. Seither sind fast 10 Jahre vergangen. Wie im Brief beschrieben, rechnen die Unterzeichner mit einem Zeitraum von zirka 10 Jahren, ehe mit einer "Lärmsanierung" gerechnet werden kann. Meine Frage an Sie bzw. das Unternehmen DB konkret: Welche Maßnahmen sind geplant bzw. bereits eingeleitet, um das Lärmproblem am Bahndamm Große Müllroser Straße in Frankfurt (Oder) zu mindern bzw. zu beseitigen?
Leider existieren die am Briefende genannten Internetseiten so nicht mehr, da offensichtlich das zuständige Ministerium nach jeder Bundestagswahl seine Strukturen ändert und damit Verwirrung bei Internetnutzern produziert.

Mit freundlichem Gruss
Roland Totzauer



Als Antwort erhielt ich noch am 01.04.2019 diese E-Mail:

Sehr geehrter Herr Totzauer,
vielen Dank für Ihre E-Mail vom 01.04.2019, die uns zuständigkeitshalber zur Beantwortung weitergeleitet wurde. In Ihrem Schreiben baten Sie um Auskunft, welche Lärmschutzmaßnahmen seitens des Lärmsanierungsprogramms des Bundes für die Stadt Frankfurt (Oder) im Bereich des Bahndammes Große Müllroser Straße geplant sind.

Da Sie im Jahr 2009 bereits über die Grundsätze des freiwilligen Lärmsanierungsprogramms für bestehende, hoch belastete Bahnstrecken des Bundes informiert wurden, möchten wir Ihnen im Folgenden eine Übersicht zu den Entwicklungen und Neuerungen geben, die von Seiten des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) beschlossen wurden.

Das freiwillige Lärmsanierungsprogramm wurde stetig ausgeweitet und weiterentwickelt. Beispielgebend sind hierfür der Entfall des Schienenbonus in 2015 und die Absenkung der Grenzwerte um weitere 3 dB(A) in 2016 zu nennen. Dies führt zu einer deutlichen Verbesserung zu Gunsten der Anwohner von bestehenden Strecken und reicht weit über das Jahr 2020 hinaus. Für reine Wohngebiete beträgt der Grenzwert nun nachts nicht mehr 60 sondern 57 dB(A).

Diese einflussgebenden Grenzwertveränderungen machten eine vollständige Überarbeitung des Gesamtkonzepts erforderlich. Bundesweit werden alle Streckenabschnitte, auch die bereits lärmsanierten, erneut in die Betrachtung einbezogen. Zudem kommen auch weitere Abschnitte hinzu, die unter zu Grunde Legung der alten Auslösewerte bisher nicht in der Liste der Gesamtkonzeption enthalten waren. Konkret heißt das, es werden in Zukunft in erheblich mehr Streckenabschnitten Lärmschutzmaßnahmen umgesetzt. Die Neubewertung unter den vorgenannten Eckwerten betrifft selbstverständlich auch die Ortsdurchfahrt Frankfurt (Oder). Die neue Förderrichtlinie und das neue Gesamtkonzept wurden im Januar 2019 durch das BMVI veröffentlich.

Frankfurt (Oder) ist Teil des Sanierungsabschnittes 120008, der sich von Erkner über Fürstenwalde/Spree, Frankfurt (Oder) bis Guben erstreckt. Gemäß Gesamtkonzept des Lärmsanierungsprogramms hat der Abschnitt eine Prioritätenkennzahl von 21,115. Aufgrund dieser Einstufung (Prioritätenkennzahl) ist mit einer Bearbeitung erst langfristig zu rechnen.

Es wird dann in einer Schalltechnischen Untersuchung die aktuelle und die prognostizierte Schallbelastung ermittelt. Der von der Bahnstrecke ausgehende Schallemissionspegel wird unter Berücksichtigung der Geländeverhältnisse und Abstände zum Beurteilungspegel an der Hausfassade umgerechnet. Dieser wird mit dem Grenzwert verglichen. Aus der Grenzwertüberschreitung leitet sich der Umfang der erforderlichen Schallschutzmaßnahmen ab, die grundsätzlich auf den höheren der beiden Werte (aktuell oder Prognose) ausgelegt werden.
Ob eine Schallschutzwand gebaut werden kann oder ob passiver Schallschutz (z.B. Schallschutzfenster) anzuwenden ist, wird abschließend mittels einer vom Vorhabenträger vorgegebenen Kosten-Nutzen-Abwägungsformel festgestellt. Sollte für passiven Schallschutz entschieden werden, erhalten die betroffenen Hauseigentümer 75% der dafür notwendigen Aufwendungen erstattet.
Eine Vorfinanzierung bzw. Kostenerstattung ist nicht vorgesehen.

Wir bitten um Verständnis, dass wir Ihnen aus den vorgenannten Gründen keine andere Auskunft erteilen können.

Neben der Lärmsanierung durch bauliche Maßnahmen ist die Umrüstung der Güterwagen wesentlicher Baustein der Lärmminderungsstrategie. Um die Lärmbelastung des Schienengüterverkehrs flächendeckend zu reduzieren, hat die DB gemeinsam mit dem Bund die Entwicklung der sogenannten "Flüsterbremse" vorangetrieben.
Leise Bremssohlen reduzieren den Lärm in der Vorbeifahrt um 10 Dezibel, was gefühlt einer Halbierung des Lärms entspricht. Bereits seit 2001 beschafft DB Cargo neue Güterwagen mit leisen Sohlen. Bis Ende 2018 waren ca. 80% der in Deutschland eingesetzten Wagen der DB Cargo leise. Ende 2020 werden dann alle relevanten Güterwagen der DB Cargo ein entsprechendes Bremssystem erhalten haben.
Die Umrüstung der Güterwagen auf leisere Bremstechnik wird zunehmend wirksam und damit die Lärmbelastung erheblich senken.
Gemeinsam mit dem Bund werden alle Anstrengungen unternommen, das Ziel der Halbierung des Schienenverkehrslärms bis 2020 zu erreichen.

Weitere Informationen zum Lärmsanierungsprogramm an Schienenwegen des Bundes erhalten Sie im Internet auf der Homepage des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur unter der Rubrik Schiene, Programm Lärmsanierung:
https://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Artikel/E/laermvorsorge-und-laermsanierung.html

Gern können Sie sich für weitergehende Informationen zum Thema Lärmminderung auch unser Lärmschutzportal im Internet anschauen:
http://www1.deutschebahn.com/laerm/start/

Wir hoffen, Sie damit ausreichend informiert zu haben und stehen bei Rückfragen gern zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

E.B.
Portfolio Lärmsanierung Standort Berlin (I.NG-W-N(7))
DB Netz AG
Markgrafendamm 24, Haus 13, 10245 Berlin


18.03.2019

Mittwochstouren 2019

Einladung:

Als Sinnbild für Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung ist das Fahrrad zum Ursprung einer Kultur geworden. Wir Radfahrer sind Teil einer rollenden Bewegung.

Auch im Jahr 2019 führe ich wieder ab Frankfurt (Oder) - wie bereits in vielen Jahren davor – insgesamt acht Radtouren durch Ostbrandenburg und durch Westpolen!

Von März bis Oktober 2019 lade ich interessierte Radfahrerinnen und Radfahrer aus Deutschland und Polen ein: Jeweils im monatlichen Wechsel radeln wir bei vier Mittwochstouren durch Ostbrandenburg und bei vier Mittwochstouren durch Westpolen.

Wie in den zurückliegenden Jahren starten wir auch 2019 wieder an jedem 4. Mittwoch der Monate März bis Oktober in Frankfurt (Oder) pünktlich um 10 Uhr auf dem oberen Brunnenplatz am Comic-Brunnen.

Die Mittwochsradtouren plane ich nach diesen fünf Prinzipien:
1. Keine Teilnahmekosten; 2. Keine Bahnfahrten; 3. Keine teuren Restaurantbesuche; 4. Radstrecken nur bis ca. 50 Kilometer;
5. Durchschnittsgeschwindigkeit 14-16 km/h.
Empfohlene Ausstattung: Ersatzschlauch, Luftpumpe, Trinkflasche, Proviant, Wetterjacke, eine passende Landkarte, Personalausweis, Euros, bei Polentouren bitte Zlotys mitnehmen! Für alle Strecken empfehle ich ein geländegängiges Fahrrad mit Gangschaltung!
Die acht Mittwochstour-Termine 2019

Alle Mittwochstouren eignen sich für Frauen & Männer aus Frankfurt (Oder), aus Slubice, aus Berlin, aus Ostbrandenburg und dem Rest der Welt! Gern gesehen sind stets Besitzer eines Elektro-Fahrrades.

Die Teilnahme an den Radtouren ist immer kostenfrei, erfolgt aber stets auf eigene Gefahr und eigene Versicherung!
Einfach mitradeln - eine An- oder Abmeldung ist nicht erforderlich!
Radfahren ist klimafreundlich, schont die Umwelt, fördert die Gesundheit, entlastet den Verkehr und den Geldbeutel. Das gemeinsame Unterwegssein stärkt die Abwehrkräfte!
Ich lade alle an Bewegung interessierten Radfahrerinnen & Radfahrer herzlich ein: Wir treffen uns 2019 um 10 Uhr in Frankfurt (Oder)!

Hier kannst du alle 8 Termine als PDF-Datei anzeigen und ausdrucken!
Auf meiner Homepage informiere ich über alle acht Mittwochsradtouren!

13.03.2019

Geschichten um den Kleiststein

Die Schlacht bei Kunersdorf und der Kleiststein bei Kunowice

Am 12. August 1759 waren die Armeen der damaligen europäischen Großmächte Österreich, Russland und Preußen in der Nähe von Frankfurt (Oder) aufmarschiert. Sie stießen in Kunersdorf (heute polnisches Kunowice, Vorort von Slubice) aufeinander. Diese Schlacht zählt zu den größten des Siebenjährigen Krieges, dem ersten Konflikt mit einer globalen Reichweite.
Kriegsopfer, ca. 35.000 Tote und Verwundete, waren nicht nur Deutsche, Russen und Österreicher, sondern auch Vertreter anderer Völker – Slawen, Balkanvölker, Kosaken und Ungarn. Die Kunersdorfer Schlacht ist ein wahrlich europäischer Teil unserer Regionalgeschichte.
Am 15.08.2009 fand in Kunowice eine Nachstellung der Schlacht statt.

An der Schlacht von Kunersdorf nahm auch der deutsche Dichter Ewald von Kleist als preussischer Offizier teil. Am 12. August 1759 drang er an der Spitze seines Bataillons gegen eine feindliche Batterie vor. Er wurde an der rechten Hand schwer verwundet. Drei Kartätschenkugeln zerschmetterten sein rechtes Bein. Ohnmächtig blieb Kleist die Nacht über auf dem Schlachtfeld liegen, wurde von Kosaken ausgeplündert und erst am nächsten Tag nach Frankfurt (Oder) gebracht.

Am 24. August 1759 erlag Kleist in Frankfurt (Oder) seinen Verletzungen und wurde von der russischen Garnison begraben. Kleist war Mitglied einer Freimaurer-Loge. 1780 setzte die Freimaurer-Loge „Zum aufrichtigen Herzen“ in Frankfurt (Oder) ein Grabdenkmal für Ewald von Kleist. Ihm zu Ehren und zur Erinnerung an die anderen Toten der Kunersdorfer Schlacht entstand von 1891 bis 1892 der Kleistturm - finanziert durch Bürgerspenden. 1945 haben deutsche Soldaten den Turm gesprengt.
Meine Idee, den Kleistturm wieder aufzubauen, habe ich 1999 mit zwei Rathaus-Briefen in die Öffentlichkeit getragen. Am 22.10.2005 hat sich der damalige Slubicer Bürgermeister Bodziacki erstmals in einem MOZ-Zeitungsartikel zu meiner Idee und zum Wiederaufbau des Kleistturms bekannt.

Am 11.09.1999 weihten Mitglieder des Heimatkreises Weststernberg gemeinsam mit der Slubicer Stadtverwaltung nördlich von Kunowice den Gedenkstein für Ewald von Kleist ein.


Der Bernauer Autor und ehemalige Redakteur vom „Weststernberger Heimatbrief“, Karl-Heinz Schneider, berichtete über diesen Vorgang:

„Spurensuche führt natürlich immer zu Erkenntnisgewinn – zu erfreulichen aber leider auch zu schmerzlichen Erkenntnissen. Das beweisen sehr anschaulich zwei Gedenksteine. Der eine Stein steht an der Ilanka in Rosiejewo, einst Pulverkrug, in einem Ort, den es heute nicht mehr gibt. Bis 1945 stand an der Eilang in Pulverkrug eine der modernsten Papierfabriken Brandenburgs. Gegründet hatte sie 1539 der Kurfürst, um das an der Viadrina benötigte Schreibpapier zu produzieren. 1939 stellten die Pulverkruger zum 400. Jahrestag des Bestehens dieser Papierfabrik einen Gedenkstein auf, der ab 1945 verschwunden war. Unsere Spurensuche führte uns diesmal nicht nur an, sondern in die Eilang, aus der wir dann tatsächlich diesen 6-Tonnen-Findling mit schwerer Technik bergen konnten.
Mit Unterstützung der Słubicer Stadtverwaltung und dem Kulturamt der Wojewodschaft in Gorzów-Landsberg versahen wir diesen Stein mit einer deutsch-polnischen Schrifttafel, ein deutscher Pfarrer und ein polnischer Priester weihten ihn unter dem Hörnerklang einer Rzepiner Jagdbläsergruppe am 22.September 1997 als Gedenkstätte am Ilanka-Ufer ein. Dieser Stein verkörpert also auch direkt ein Stück Geschichte der heutigen Europa-Universität.
Nur diese heutige Viadrina nahm trotz damaliger Einladung zur Einweihung keinerlei Notiz von dieser kleinen Gedenkstätte, diesem Lesezeichen eigener Universitätsgeschichte – am Ilanka-Ufer. Noch trauriger verhält es sich mit dem Gedenkstein für den Dichter Ewald von Kleist in Kunowice. Nach langer und aufwendiger Spurensuche unter Beteiligung polnischer und deutscher Heimatforscher setzten wir diesen Stein – gemeinsam mit der Stadtverwaltung in Słubice – am 11. September 1999 in unmittelbarer Nähe jener Stelle, an der am 12. August 1759 Ewald von Kleist in der Kunersdorfer Schlacht tödlich verwundet wurde. Auch dieses Ereignis wurde von offizieller deutscher Seite – sowohl vom Kleist-Museum als auch von der Stadt Frankfurt –, obgleich es sie keinen Pfennig gekostet hätte, ignoriert.“

Nachdem der Kleiststein 1999 nördlich von Kunowice offiziell aufgestellt war, machte er eine Entwicklung durch, die ich unten mit über 30 Fotos dokumentiere. Mein erstes Foto vom Kleiststein entstand 2005. Seither kamen ständig weitere hinzu. Nicht in jedem Jahr fotografierte ich den Stein. Oft fuhr ich mit meinem Fahrrad vorbei, ohne anzuhalten. Oft war ich mit anderen Radfahrern unterwegs. Manchmal hielten wir dort an, um den Stein und das Kleist-Routen-Schild zu inspizieren. Manchmal radelten wir dort auch einfach nur vorbei ohne anzuhalten, denn die meisten Radtour-Teilnehmer kannten inzwischen den Stein. Auch deshalb entstanden nicht in allen Jahren seit 2005 neue Fotos vom Kleiststein.

Die Tafel am Kleiststein wurde bereits kurz nach ihrer Anbringung zerstört. Einige Reste der Tafel habe ich in der näheren Umgebung im Gras gefunden und mit nach Hause genommen. Wegen der abgeschiedenen Lage des Kleiststeins sollte es keine Ersatztafel geben, zumal das daneben stehende Schild der Kleist-Route genau informiert, warum der Kleiststein hier steht. Übrigens ist der Kleiststein kein Findling, wie fälschlicherweise auf dem Kleistrouten-Schild behauptet wird...
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Nach einer kurzen Suche fand ich 2006 in der grasigen Umgebung des Kleiststeins die hier fotografierten Reste der Kleiststein-Tafel. Nach dem Beitritt Polens zum Schengener Abkommen am 21.12.2007 fielen die Grenzkontrollen weg. Kurz danach transportierte ich die bis dahin versteckten Tafelreste in meine Wohnung. Dem Schöpfer dieser Tafel muß ich Respektlosigkeit vorwerfen: Auf polnischem Territorium sollte der polnische Text stets vor dem deutschen stehen! Ein Grund für Frustration & Aggression. Übrigens hat man für den Ort Pulverkrug 1997 eine andere Lösung für den Erinnerungstext bevorzugt, die noch heute funktioniert - eine schwere Steintafel - leider auch wieder mit falscher Textreihenfolge:

Auf unbekannte Weise verschwand der Kleiststein zwischen dem 13.09. und 12.10.2006. Nachdem ich dies bemerkt hatte, alarmierte ich per Mail sofort sämtliche Slubicer E-Mail-Adressen, derer ich habhaft werden konnte und informierte auch gleichzeitig das Frankfurter Rathaus und die Frankfurter Tourist-Information. Am 12.10.2006 fuhr ich erneut zum Standort und siehe da - der Kleiststein stand plötzlich wieder an seinem Platz. Bei meinem Besuch am 15.01.2007 stand der Stein auf einem neuen Fundament. Warum der Stein damals verschwand - ohne dass etwas an ihm geändert wurde - könnte nur das Slubicer Rathaus wissen.
Die Idee für die Kleist-Route stammt übrigens von mir: Im August 2009 hat die MOZ meine Idee in einem kurzen Artikel veröffentlicht. Daraufhin hat sich der SVV-Abgeordnete Gleisenstein bei mir gemeldet und er hat aus der Idee einen SVV-Antrag formuliert. Die SVV hat im September 2009 dem Antrag zugestimmt und die Frankfurter Stadtverwaltung mit der Umsetzung beauftragt. Dies war damals die Tourismus-Beauftragte Kankeleit. Im Sommer 2012 wurde die Kleist-Route eingeweiht:
Bei einer Radtour am 29.10.2013 musste ich leider feststellen, dass das Kleistrouten-Schild abmontiert war. Nachdem ich das Schild im Gebüsch fand, versteckte ich es in der näheren Umgebung. In den Tagen danach besuchte ich einen Baumarkt, um passende Sicherheitsschrauben zu kaufen. Am 23.11.2013 fuhr ich gemeinsam mit Edeltraut L. zum Kleiststein, um das Kleistrouten-Schild wieder zu montieren - die Sicherheitsschrauben halten es bis heute am Rahmen - trotz eines brutalen Demolierungsversuches (siehe Fotos vom 16.05.2014).

Einen Auslöser für polnische Agressionen gegen das Kleistrouten-Schild sehe ich auch in der Tatsache, dass der deutsche Text oben auf dem Schild steht und erst darunter folgt der polnische Text. Immerhin befindet sich das Schild auf polnischem Territorium! Daher empfinde ich die Gestaltung dieses Schildes als unsensibel und deutsch-arrogant.


Eine Bemerkung erlaube ich mir: Wahrscheinlich bin ich einer der ganz wenigen Frankfurter, die seit Jahren regelmäßig zum Kleiststein radeln und das Schicksal des Steins beobachten. Auch 2019 werde ich dort wieder mehrmals vorbei radeln - allein oder mit einer Radgruppe.
Eines will ich an dieser Stelle auch noch erwähnen: Von 2011 bis 2017 habe ich in der Nähe des Kleiststeins einen Geocaching-Behälter versteckt. Mit seiner Hilfe gelang es mir, zahlreiche deutsche und polnische Anhänger des Geocaching-Spiels zum Kleiststein zu locken. Vielleicht kommt eines Tages eine offizielle Stelle in Slubice oder Frankfurt (Oder) auf die Idee, mit Geocaching auch wieder Touristen zum Kleiststein und anderen touristischen Hotspots zu locken?

Am 19.02.2019 veröffentlichte die Märkische Oderzeitung den Artikel "Kleist-Findling fehlt die Plakette". Ich weiß, dass die Plakette vor mindestens 15 Jahren zerstört wurde. Die Plakettenreste habe ich 2006/2007 nahe dem Stein gefunden und geborgen! Jetzt wurde dieser uralte Fakt also zu einem Thema für die Märkische Oderzeitung, die in ihrem Artikel u.a. den Leiter Stadtmarketing Stephan Felsberg zitiert: "Uns war der Diebstahl bisher nicht bekannt." Im Umkehrschluß bedeutet das, dass Herr Felsberg den Kleiststein seit mindestens 15 Jahren, also wahrscheinlich noch nie gesehen hat! Ein aufschlussreiches Armutszeugnis, nicht nur für Herrn Felsberg. Sein beruflicher Abgang vom Frankfurt-Slubicer Tourismusbüro ist meiner Meinung kein Verlust!

Auf eines müssen sich die Leser der Märkischen Oderzeitung leider immer wieder permanent einstellen: Nach einem erneuten Journalisten-Wechsel innerhalb der MOZ-Stadtboten-Redaktion geht jedes Mal wertvolles Hintergrundwissen verloren. Deshalb schlage ich der MOZ vor, dass sie sich eine Datenbank anlegt mit Namen, Telefonnummern und Mail-Adressen von Bürgern, die als Lokal- und Regional-Experten angesprochen werden können. Ich stehe gern als Ansprechpartner für das Thema "Radfahren und Wandern rund um Frankfurt (Oder) und Slubice" bereit. Diese Lokal-Experten könnten allen alten und neuen Lokal-Journalisten, aber auch deutschen und polnischen Politikern helfen, Zeit zu sparen bei Recherchen und - wie im oben gezeigten Artikel leider passiert - verhindern, dass keine längst bekannten Fakten als neues Wissen veröffentlicht werden. Dafür mache ich in erster Linie die Chefredaktion der Märkischen Oderzeitung verantwortlich und nicht die junge Artikel-Autorin!