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17.09.2019

Meine E-Mail vom 17.09.2019

Meine E-Mail vom 17.09.2019 an Presse und Stadtverwaltung:
Seit wenigen Tagen weist in der Frankfurter Forststrasse eine neue bronzene Gedenktafel auf eine bedeutende Persönlichkeit unserer Stadtgeschichte hin. An der nördlichen Außenwand des Verbündungshauses "fforst" wurde eine neue Tafel angebracht:

Bitte kleine Vorschaubilder anklicken = Originalgröße!

Das Online-Nachschlagewerk WIKIPEDIA veröffentlichte einen längeren Artikel über Anton von Werner.

Wie kam dieses Schild in die Frankfurter Forststrasse?
Anlässlich seines 150. Geburtstages wurde am 09. Mai 1993 am ehemaligen Standort des Wernerschen Wohnhauses in der Forststraße 3 durch den Ex-OB Wolfgang Pohl die erste Gedenktafel feierlich enthüllt. Ich war damals Mitglied der SPD-Fraktion der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung und in dieser Funktion bei diesem Festakt am 09.05.1993 anwesend!

Initiator war damals der Historische Verein Frankfurt (Oder) e.V. Nachdem die Tafel in der Forststrasse mehrere Jahre zu sehen war, verschwand diese erste Bronzetafel irgendwann. Obwohl das Verschwinden der Tafel bekannt war, geschah leider viele Jahre - nichts!

Erst nachdem ich im November 2018 per E-Mail Alarm geschlagen hatte, kam Bewegung in die Angelegenheit: Ich informierte alle SVV-Fraktionen, die Pressestelle der Stadtverwaltung, die Frankfurter Wohnungswirtschaft und die regionale Presse.
Leider reagierte damals nur die AfD-Fraktion auf meine E-Mail: Sie stellte einen Antrag in der SVV zur Wiederherstellung der Gedenktafel.
Da inzwischen auch die Stadtverwaltung sich des Problems angenommen hatte, zog die AfD ihren Antrag zurück. Gemeinsam mit der Wohnungswirtschaft plante die Stadt eine neue Tafel, die nun in der Forststrasse 3/4 zu sehen ist. Leider wurde die Gedenktafel an einer relativ unglücklichen Stelle angebracht: Um den Text lesen zu können, braucht man ein Fernglas oder eine Leiter! Nur wer von der Existenz der Gedenktafel weiß, schaut dort oben überhaupt hin.
Ironie an: Besser wäre, mit einem großen Hinweisschild aus Plastik auf die neue Bronzetafel hinzuweisen (Ironie aus!)

Das Fotografieren der Gedenktafel ohne Leiter weit über dem Kopf war relativ beschwerlich. Vielleicht bekommt ein Profi-Fotograf es besser hin.
Immerhin: die Gedenktafel wurde ersetzt und kann jetzt bei öffentlichen und privaten Stadtführungen und Stadtspaziergängen wieder angesteuert werden.
Unsere Stadt hat einen weiteren Teil ihrer Stadtgeschichte wiederbekommen. Die neue Tafel macht wieder auf den Frankfurter Anton von Werner aufmerksam. Seine Malerei mag nicht jedermanns Sache sein, aber seine Bedeutung als Historienmaler wird nicht vergessen.

Mit freundlichen Grüssen
Roland Totzauer


Die Märkische Oderzeitung informierte am 26. September 2019 die Öffentlichkeit über die neue Anton-von-Werner-Gedenktafel.

Am 12.10.2019 veröffentlichte die Märkische Oderzeitung in ihrem Wochenend-Journal unter dem Thema "Brandenburger Blätter" einen großen Artikel über Anton von Werner, der hier nur als Ausschnitt gezeigt werden kann:


02.02.2019

Anton von Werner ausstellen!


Am 23. Januar 2019 schrieb ich zwei gleichlautende E-Mails:
  1. an das Deutsche Historische Museum in Berlin
  2. an das Brandenburgische Landesmuseum für moderne Kunst in Cottbus und Frankfurt

Der Inhalt meiner Mails an die beiden Museen lautete:

Sehr geehrte Damen und Herren,

1993 wurde in Frankfurt (Oder) eine Gedenktafel angebracht. Ich war damals bei der Einweihung anwesend, als der damalige Frankfurter Oberbürgermeister Wolfgang Pohl die Tafel in der Frankfurter Forststraße am 09.05.1993 enthüllte. Eine Fotokopie der Tafel finden Sie in der Anlage meiner Mail.

Die Bronzetafel erinnert an einen bekannten Sohn Frankfurts: Anton von Werner. Bei Wikipedia gibt es für ihn einen Artikel.

Im vorigen Jahr 2018 hätte es eine Würdigung des Malers geben können, denn am 09. Mai 2018 war sein 175. Geburtstag! Anton von Werner gehörte zu seiner Zeit zwar nicht zu den Vertretern einer damals modernen Kunstauffassung. Aber "er hinterließ in fotografischer Manier gemalte und bis heute reproduzierte Historienbilder von Ereignissen seiner Zeit."

Eines seiner bedeutendsten Werke ist die "Kaiser-Proklamation". In der Anlage sende ich eine digitale Version des Bildes, von dem übrigens eine Version bis 1945 in Frankfurt (Oder) hing!

Ich schlage vor, dass Ihr Museum dem Maler Anton von Werner eine Sonder-Ausstellung widmet. Es ist endlich an der Zeit, sich heute mit dem Wirken dieses bedeutenden deutschen Künstlers auseinander zu setzen.

Ein guter Platz für eine A.v.Werner-Ausstellung ist Frankfurt, seine Geburtsstadt! Aus Frankfurt kamen bzw. kommen zwar nur relativ wenige Künstler, die deutschlandweit bekannt wurden. Anton von Werner gehört dazu, auch wenn er, so wie z.B. Heinrich von Kleist, seinen Ruhm erst außerhalb von Frankfurts Stadtmauern erwarb.

Mit freundlichem Gruss

Roland Totzauer

Am 25. Januar 2019 erhielt ich folgende Antwort per E-Mail aus Berlin:

Sehr geehrter Herr Totzauer,

haben Sie ganz herzlichen Dank für Ihre freundliche Mail. Nachdem wir 1993 eine große Sonderausstellung zu Anton von Werner in unserem Haus gezeigt haben, ist unsere Ausstellungsplanung bis einschließlich 2022 abgeschlossen. Anschließend stehen umfangreiche Sanierungsmaßnahmen des Museumsgebäudes an, so dass wir Ausstellungen in einer nur sehr reduzierten Form anbieten können. Gerne aber nehme ich Ihren Vorschlag auf, ob nach Beendigung der Baumaßnahmen 2025 oder 2026 eine Ausstellung zu Anton von Werner nicht angedacht werden könnte.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und verbleibe
mit freundlichen Grüßen
Arnulf Scriba
DHM

Am 29. Januar 2019 erhielt ich folgende Antwort per E-Mail aus Cottbus:

Sehr geehrter Herr Totzauer,

ich bedanke mich für Ihr Engagement und Ihren freundlichen Vorschlag, das Brandenburgische Landesmuseum für moderne Kunst möge eine Anton von Werner-Ausstellung organisieren.

Bedauerlicherweise muss (und will!) ich Ihrem Vorschlag eine Absage erteilen. Das Brandenburgische Landesmuseum für moderne Kunst verfügt über einen umfang- und facettenreichen Sammlungsbestand von Kunst ab 1900 bis in die Gegenwart. Die bis dato vielfach unterschätzte Besonderheit des Bestandes liegt in seiner einzigartigen epochalen Verankerung. Von den etwa 42.000 Kunstwerken unserer Sammlung stammen 75% aus der Zeit der DDR. Dieser Schwerpunkt markiert ein eindeutiges Profil unseres Hauses. Unser Bestreben zielt darauf ab, über unsere Ausstellungen kunsthistorische sowie zeitgenössische Kontextualisierungen von diesem Sammlungsfokus des BLMK herzustellen. Zielstellung ist es, die Sammlung des BLMK in Diskurse und die Geschichte der Moderne einzuschreiben.

Das 19. Jahrhundert hingegen spielt für unsere Sammlung und das Museumsprofil keine wesentliche Rolle. Und im Falle relevanter Bezüge zum 19. Jahrhundert beziehen sich diese immer auf die Anfänge der Moderne. Anton von Werner hingegen ist nicht nur definitiv kein Künstler der Moderne, vielmehr verkörpert sein Werk geradezu das Gegenteil.

Kurzum: die Malerei von Anton von Werner ist mit Sammlungsschwerpunkten, Programm und Profil des Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst nicht kompatibel.

Mit freundlichen Grüßen,

Ulrike Kremeier
Direktorin BLMK
Vorstand BKC-F

Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst
Uferstraße / Am Amtsteich 15 | 03046 Cottbus
Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Str. 11 | 15230 Frankfurt (Oder)

Am 02.02.2019 druckte die Wochenendzeitung "Der Oderlandspiegel" meinen Leserbrief:


Bitte das kleine Vorschaubild anklicken = Originalgröße!

Bereits Ende 2018 hatte ich per E-Mail ALLE Frankfurter SVV-Fraktionen über den Verlust der Anton-von-Werner-Gedenktafel informiert. Auf meine Information hat leider nur die AFD-Fraktion reagiert und einen Antrag für die SVV-Sitzung am 14.02.2019 formuliert, der [hier als PDF-Datei] angeschaut werden kann. Immerhin hat wenigstens eine SVV-Fraktion reagiert! Was wird das Frankfurter Stadtparlament beschließen?

04.03.2019: Laut Sitzungsprotokoll hat die AFD ihren Antrag während der SVV-Sitzung zurückgezogen. Offenbar hat die Frankfurter Stadtverwaltung die Abgeordneten während oder vor der SVV-Sitzung darüber informiert, dass bereits Schritte zur Wiederherstellung der Gedenktafel ergriffen wurden - quasi als Reaktion auf meine E-Mail-Skandalisierung. Der Tafel-Erneuerungsprozess ist also angestoßen - eine neue Tafel soll in naher Zukunft kommen, so lautete jedenfalls die Mail-Nachricht der zuständigen neuen Kultur-Dezernentin!

29.03.2019: Heute erhielt ich aus einer anderen Quelle per Mail die Information, dass die Frankfurter Wohnungswirtschaft die Anfertigung einer neuen Gedenkplatte in Auftrag gegeben hat. Das Foto unten zeigt die Gedenkplatte im Jahr 1993 am Haus Forststrasse 3 vor der Sanierung. Deutlich sind Steine einer DDR-Betonplatte zu sehen, die heute von Wärmedämmplatten verdeckt werden.


Eines möchte ich hier an dieser Stelle betonen: Anton von Werner war kein künstlerischer Avantgardist, sondern "nur" ein Kind seiner Zeit und bewegte sich als Künstler & Mensch in den gesellschaftlich und ästhetisch bekannten und anerkannten Grenzen. Er war kein Mörder, kein Kriegsverbrecher und kein Krimineller! Von daher halte ich die Weigerung, sich heute mit dem Wirken des Menschen und Malers A.v.Werner öffentlich im Land Brandenburg auseinander zu setzen, für eine bedauerliche einseitige Position. Diese einseitige Haltung bemerke ich leider auch in Frankfurt (Oder) beim Umgang mit der "verschwundenen" Gedenkplatte. Aktuell wird in den meisten regionalen Medien das Thema leider totgeschwiegen!

Aktuelle Entwicklung:
Im September 2019 wurde als Folge meiner Initiative am Haus Forststrasse 3 eine neue Gedenkplatte für Anton von Werner angebracht. Fotos gibt es in diesem Blog-Artikel.

03.01.2019

Kultur-Skandal

Wertvolle Gedenktafel verschwunden!

Am 09. Mai 1843 wurde in Frankfurt (Oder) der bedeutende Historienmaler Anton von Werner geboren. Seine Familie wohnte u.a. in der Forststraße 3. Sein bekanntestes Bild ist "Die Proklamation des Deutschen Kaiserreiches". Eine Bildvariante hing bis 1945 in Frankfurt (Oder).

Anlässlich seines 150. Geburtstages wurde am 09.05.1993 am Standort seines Wohnhauses Forststraße 3 durch den damaligen OB W.Pohl eine Gedenktafel enthüllt. An dieser Enthüllung nahm ich damals als SVV-Abgeordneter teil.

Inzwischen sind 25 Jahre vergangen. Im Jahr 2018 jährte sich der Geburtstag des Malers Anton von Werner zum 175. Mal! Diesen 175. Geburtstag nahm ich zum Anlass und suchte die Gedenktafel mit der Absicht, sie in meine Stadtwanderung Nr. 15 einbinden zu wollen. Ich radelte in die Forststraße und suchte und suchte: Die Tafel war verschwunden!

Auf meine Nachfrage beim Stadtarchiv Frankfurt (Oder) erhielt ich die Antwort, dass "das Stadtarchiv vor einigen Jahren schon feststellte, dass die Tafel verschwunden war. Die Wohnungswirtschaft versprach, eine neue Tafel zu sponsern, bisher blieb es leider beim Versprechen."

Vernichtete im Zuge von Sanierungsarbeiten die Frankfurter Wohnungswirtschaft GmbH in der Forststraße die wertvolle Gedenktafel? Warum verschwand sie? Wurde sie gestohlen?
  • Ich fordere alle Politiker unserer Stadt auf, sich für die Rückkehr dieses Stadtdokuments einzusetzen!
  • Ich fordere die Wohnungswirtschaft Frankfurt (Oder) auf, unverzüglich in der Forststraße die alte oder eine neue Gedenktafel anzubringen!
  • Ich fordere alle Pressemedien in und um Frankfurt (Oder) auf, diesen Kultur-Skandal öffentlich zu thematisieren!
  • Ich fordere die Frankfurter Bürger auf, gegen diesen Kultur-Skandal öffentlich zu protestieren und die Rückkehr der Tafel zu verlangen!
  • Ich fordere den Frankfurter Oberbürgermeister auf, sich in dieser Angelegenheit für das Geschichtsdokument einzusetzen: Die alte Tafel oder eine neue Gedenktafel gehört zurück in die Forststraße 3!

Meine Mailaktion ist in der Stadt angekommen. Sie hat bereits Wellen geschlagen. Offensichtlich war meine Skandalisierung dahingehend erfolgreich, dass nun plötzlich Bewegung in die Angelegenheit gekommen ist. Es soll eine neue Tafel geben! Na bitte - aber warum müssen erst viele Jahre verstreichen? Der Aufschrei "Kulturskandal" wirkt! Jetzt haben wieder ein paar Frankfurter den Frankfurter Maler Anton von Werner bewußt als Sohn dieser Stadt zur Kenntnis genommen.
Als vor einigen Jahren Bronzeplaketten an der Kleist-Statue im Gertraudenpark gestohlen wurden, gab es in der MOZ ein riesiges Echo mit Fotos und Diskussionen. Hoffentlich wachen die Frankfurter Journalisten nun auch im Fall der verschwundenen Gedenktafel auf. Ansonsten hege ich den Verdacht, dass hier in der Stadt Kultur mit zweierlei Maß gemessen wird.

Nachtrag am 17.09.2019

Über die neueste Entwicklung in dieser Angelegenheit informiere ich in meinem Blog-Artikel vom 17.09.2019