16.12.2015

Berge, Türme und Eis in Slubice


Unter dem Motto "Berge, Türme und Eis in Slubice" lud ich am 16. Dezember 2015 interessierte Wanderer ein zu einer 14-km-Winterwanderung durch Slubice (Polen).
23 Teilnehmer versammelten sich um 10 Uhr in Frankfurt (Oder) auf dem oberen Brunnenplatz am Comic-Brunnen. Der beiliegende Kartenausschnitt zeigt unsere Wanderroute: Nach dem Passieren der Stadtbrücke gingen wir rechts auf dem Oderdeich bis zum Slubicer Hafen und bogen dort rechts ab. Am polnischen Oderufer entlang wanderten wir in südlicher Richtung, durchquerten einen Wald und erreichten danach eine Eisenbahn-Unterführung.
Dort verließen wir die Straße und stiegen den sanft ansteigenden Waldweg hinauf bis zu einer Stelle, wo ein Starkstromkabel mittels Betonmasten den Waldweg überquert. An dieser Stelle verließen wir den Weg und folgten dem Kabelstrang durch den Wald nach links in Richtung Norden (Richtung Slubice). An einer Waldwegkreuzung sahen wir einen kleinen Grenzstein mit der Nummernkombination 731/732. Dort bogen wir wieder nach links ab in Richtung Westen. Alsbald erreichten wir rechterhand eine Baumreihe, die 50 Meter schräg in den Wald führt hin zu einem mit Bäumen zugewachsenen Schutt- und Steinhaufen. Dort auf dem Schäfereiberg stand von April 1901 bis zum Februar 1945 einer von ehemals drei Frankfurter Bismarcktürmen. Der am besten erhaltene Turm steht seit April 1914 fast unverändert bei Boossen auf dem großen Kapberg. Der zweite, nicht mehr vollständig erhaltene Bismarckturm befindet sich seit April 1906 am nördlichen Ortsausgang des Frankfurter Ortsteils Lichtenberg. Vom dritten Frankfurter Bismarckturm auf dem Schäfereiberg sieht man heute nur noch die Trümmer auf polnischem Territorium bei Slubice (siehe Foto unten). Dieser Turm wurde 1945 gesprengt von deutschen Soldaten, die sich damals vor der Roten Armee in Richtung Berlin zurückzogen.
Der Architekt Wilhelm Kreis schuf 1899 (also ein Jahr nach Bismarcks Tod) für einen Wettbewerb der „Deutschen Studentenschaft“ einen grundlegenden Musterentwurf „Götterdämmerung“ in Form einer wuchtigen Feuersäule, der von der Jury mit dem 1. Preis prämiert wurde. Dieser Musterentwurf wurde bis 1911 47-mal mit individuellen Unterschieden ausgeführt und kommt damit einem Typenbau nahe. Auch die Frankfurter Bismarcksäule, die von April 1901 bis Februar 1945 östlich der Oder auf dem Schäfereiberg stand, gehörte zum Typ „Götterdämmerung“.


Etwas abseits unserer Wanderroute stand bis Februar 1945 auf dem Falckensteinberg ein Wasserturm, der sogenannte Falckensteinturm (siehe Foto). Wegen der weiten Fernsicht auf den Kleistberg, das Odertal und dahinter die Stadtwaldhöhen wurde beim Anrücken der Roten Armee auch dieser Falckensteinturm ebenso wie der Bismarckturm und der Kleistturm durch Wehrmachtssoldaten gesprengt. Heute steht dort auf dem Berg hinter dem Gewerbegebiet ein weithin sichtbarer rot-weisser Funkturm.


Weitere Stationen unserer Dezember-Wanderung waren der 1399 erstmals erwähnte jüdische Friedhof auf den "Judenbergen" und die Reste des von 1892 bis 1945 auf den Laudonbergen existierenden Frankfurter Kleistturms.


Der 21 m hohe Kleistturm mit dazugehöriger Gaststätte war ein beliebtes Ausflugsziel. Im Februar 1945 wurde er von Wehrmachtssoldaten gesprengt. Die Stadt Slubice plant, den Turm mit europäischen Fördergeldern wieder aufzubauen.

Unser nächstes Wanderziel befand sich auf dem Slubicer Stadtfriedhof. Dort gibt es seit 2011 eine kleine Gedenkstätte für die hier bis 1945 zur Ruhe Gebetteten. Daran erinnert eine Gedenktafel mit polnischem und deutschem Text.

Danach besuchten wir die Eisbahn auf dem Slubicer Golfplatz. Unsere Wanderung endete am großen Slubicer Basar. Wer wollte, konnte dort gastronomische Schnellgerichte testen oder ging weiter durchs Slubicer Stadtzentrum - zurück nach Frankfurt (Oder).

Wolfgang Streck hat nach dem 16.12.2015 zehn Foto-Collagen gestaltet:







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