28.04.2019

Emil Nolde im Hamburger Bahnhof

Der Frankfurter Kunstverein lud am 27.04.2019 ein zu seiner 141. Exkursion, die diesmal nach Berlin in den Hamburger Bahnhof führte. Ich fuhr als Nicht-Mitglied mit und habe dort mehrere Ausstellungen besichtigt. Alle hier veröffentlichten Texte fand ich auf der Museums-Homepage.

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Ausstellung 1

Emil Nolde
12.04. bis 15.09.2019
Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart - Berlin

Der Expressionist Emil Nolde ist der wohl berühmteste "entartete" Künstler: von keinem anderen Künstler wurden so viele Arbeiten beschlagnahmt, keine anderen Werke hingen so prominent auf den ersten Stationen der Ausstellung Entartete Kunst von 1937/38. Wie passen Noldes Verfemung und sein Berufsverbot zu unserem Wissen, dass er NS-Parteimitglied war und bis zum Kriegsende den Glauben an das nationalsozialistische Regime nicht verlor? Der Kunstkritiker Adolf Behne hob auf Noldes speziellen Fall ab, indem er ihn zum 80. Geburtstag 1947 pointiert als „entarteter ‚Entarteter‘“ bezeichnete. Dass Emil Nolde ein Parteimitglied war, ist seit langem bekannt. Aber was dies mit seiner Kunst zu tun hat, und wie sich die historischen Umstände des Nationalsozialismus auf sein Kunstschaffen ausgewirkt haben, ist bisher noch nie umfassend in einer Ausstellung untersucht worden.

Die Ausstellung Emil Nolde – eine deutsche Legende. Der Künstler im Nationalsozialismus beruht auf den Ergebnissen eines langjährigen wissenschaftlichen Forschungsprojekts, das erstmals die umfangreichen Bestände des Nolde-Nachlasses in Seebüll auswerten konnte und dabei so viel Neues zu Tage brachte, dass die hergebrachte Nolde-Erzählung revidiert werden muss. So wird die Ausstellung zum Beispiel die berühmten „Ungemalten Bilder” – die kleinformatigen Aquarelle, die Nolde angeblich während der Zeit seines Berufsverbots heimlich in Seebüll malte – in einem ganz neuen Licht präsentieren und als Teil einer langjährigen Praxis der Selbststilisierung erklären. Wie wichtig diese Selbststilisierung ist – und wie stark sie unseren Blick auf Nolde beeinflusst – wird den Besuchern durch eine Rekonstruktion des Bildersaals in Noldes Atelierhaus in Seebüll vor Augen geführt. Diese Rekonstruktion zeigt die Hängung von Gemälden und Aquarellen, wie sie der alte Künstler im Kriegswinter 1941/42 selbst vornahm. Mit über 100 teilweise bislang nicht gezeigten Originalen, die mit Bezug auf Noldes Schriften und im Kontext ihrer historischen Entstehungsumstände präsentiert werden, möchte die Ausstellung die vielschichtigen Beziehungen zwischen Bildern, Selbstinszenierungen des Künstlers, Verfemung und Legendenbildung aufzeigen: Wie wirkte sich das ‚Dritte Reich’ auf Emil Noldes künstlerisches Werk aus? Inwiefern korrespondieren einige seiner Werke, beispielsweise seine Darstellungen mythischer Opferszenen oder nordischer Menschen, mit seinen Sympathien für das Regime? Welche Auswirkungen hatten die Diffamierung und das Berufsverbot auf Noldes künstlerische Praxis, und auf seine politische Einstellung? Und wie entstanden die Nolde-Mythen der Nachkriegszeit?

Für die Ausstellung konnten die Kuratoren erstmals unbeschränkt auf das Archiv der Seebüller Nolde Stiftung mit 25.000 bis 30.000 Dokumenten zugreifen. "Wir setzen ein mit dem Nolde-Kult vor 1933 und enden mit dem nach 1945", so die Historiker. Auf der Grundlage neuester Forschungsergebnisse und der Auswertung des Nolde-Nachlasses revidiert die Ausstellung das bisherige Bild des Künstlers. Zugleich erzählt sie die Rezeption des Künstlers in der Nachkriegszeit, die von ihm zu Lebzeiten eifrig befördert wurde, als eine Geschichte der Verdrängung - bis hin zur Fiktionalisierung von Noldes Selbstbild in Siegried Lenz' Roman "Die Deutschstunde".

In der Ausstellung wird auch Noldes Gemälde "Brecher" von 1936 gezeigt. Das Bild hing mit "Blumengarten (Thersens Haus)" als Leihgabe im Arbeitszimmer von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Sie ließ nicht nur den "Brecher" für die Ausstellung von der Wand nehmen, sondern gab auch gleich den "Blumengarten" ab. Beide Bilder wollte sie nicht zurück, eine Begründung dafür gab es nicht.

Der Künstler schuf seinen eigenen Heldenkult

Das letzte Kapitel der Ausstellung behandelt den Nolde-Kult nach 1945, dessen Biografie nicht zuletzt auch durch die Nolde-Stiftung in Seebüll, die den Nachlass hütet, zur Heldenerzählung wird. Umso verdienstvoller ist es, dass die Stiftung mehr als 50 Jahre nach Noldes Tod die umfangreichen Forschungen zu seiner widersprüchlichen Rolle im Nationalsozialismus und in der Kunst beförderte. Man wolle Nolde und seine Kunst künftig frei von Mythen und Legenden mit allen Widersprüchen präsentieren, unterstreicht Direktor Christian Ring die neue Haltung.

Die Beurteilung seiner Kunstwerke wollen die Kuratoren den Betrachtern überlassen. Die Ausstellung sensibilisiert für ein differenziertes Bild eines Künstlers, der auch weiterhin zu den Ikonen des Expressionismus gehört, dessen Werk und Biografie jedoch deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts mit all ihren Facetten widerspiegelt.



Ausstellung 2

How to talk with birds, trees, fish, shells, snakes, bulls and lions
16.11.2018 bis 12.05.2019
Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart - Berlin

Eine Ausstellung von Antje Majewski mit Agnieszka Brzezanska & Ewa Ciepielewska, Carolina Caycedo, Pawel Freisler, Olivier Guesselé-Garai, Tamás Kaszás, Paulo Nazareth, Guarani-Kaiowa & Luciana de Oliveira, Issa Samb, Xu Tan, Hervé Yamguen

Kann eine Muschel mir ein Lied vorsingen? Kann ein Mensch eine Schlange sein? Kann ein Baum meine Mutter oder mein Vater sein? Kann ich mich mit einem Fluss unterhalten? Kann ein Huhn mir helfen, mit meinen Vorfahren zu sprechen? Gibt es Menschen, die wie Vögel singen können? Kann mein Apfelbaum mich um Hilfe bitten? Können mir Waldtiere zeigen, wie ich überleben kann? Kann ich Insekten auf einer Brache inmitten der Großstadt zuhören?

Die kollaborativ und transdisziplinär arbeitende Künstlerin Antje Majewski (geb. 1968 in Marl, Deutschland) hat Kolleginnen und Kollegen aus Brasilien, China, Frankreich, Kolumbien, Kamerun, Polen, dem Senegal und Ungarn eingeladen, sich auf poetische Weise mit den wechselseitigen Beziehungen zwischen Menschen und anderen Lebewesen auseinanderzusetzen. Diese Interaktionen sind Thema der Ausstellung im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin.

Das Projekt und sein Titel entwickelten sich aus einem Gespräch zwischen Antje Majewski und dem senegalesischen Maler, Bildhauer, Performancekünstler, Dramatiker und Dichter Issa Samb unter den Bäumen seines Hofs in Dakar. Leider leben heute Issa Samb ebenso wie seine Bäume nicht mehr, doch das Gespräch setzte einen Prozess, eine gemeinsame Untersuchung in Gang. Es war der Beginn von Begegnungen, Reisen und Diskussionen zwischen Majewski und den eingeladenen Künstlerinnen und Künstlern.

How to talk with birds, trees, fish, shells, snakes, bulls and lions (Wie man mit Vögeln, Bäumen, Fischen, Muscheln, Schlangen, Bullen und Löwen spricht) nimmt die Interaktionen von KünstlerInnen mit bedrohten Orten, Gemeinschaften und Lebenswelten zum Ausgangspunkt. Die gezeigten Arbeiten konzentrieren sich auf konkrete Orte, die zerstört oder verändert wurden oder ernsthaft gefährdet sind – durch kapitalistische oder kolonialistische Eingriffe oder andere durch Menschen verursachte Schäden. Videoarbeiten, raumgreifende Installationen, Skulpturen, Manifeste, Gedichte, Fotografien, Zeichnungen und Gemälde zeigen empfindliche sozial-ökologische Systeme, von denen Menschen immer ein Teil sind. Die KünstlerInnen sprechen Positionen aus, die sich im Widerspruch zur heute vorherrschenden Art des Umgangs mit der Umwelt befinden: von feministischen, dekolonialisierenden, oder situationistischen Standpunkten aus, und mit Vorschlägen für ein radikal antikapitalistisches Zusammenleben von Menschen, anderen Lebewesen und Materie.


Ausstellung 3

Andreas Mühe
Mischpoche

26.04. - 11.08.2019
Hamburger Bahnhof
Museum für Gegenwart - Berlin

Andreas Mühe (geb. 1979, Chemnitz, vormals Karl-Marx-Stadt, lebt in Berlin) wurde international bekannt durch seine Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit und Identität. Seinen Fotografien, die er ausschließlich analog herstellt, ist oftmals eine Ambivalenz, fast düstere Andeutung, inhärent, die auf die nicht mehr sichtbaren aber noch immer spürbaren Folgen der deutschen Geschichtsschreibung verweisen. Die sorgsam konzipierten Bildkompositionen suggerieren dabei eine gewisse Verwandtschaft zu Theater und Inszenierung. Die Nähe zu Schauspiel, Bühne und Film erschließt sich unter anderem aus Mühes persönlicher Biografie; sein Vater war der bekannte Schauspieler Ulrich Mühe, seine Mutter ist die renommierte Theaterintendantin Annegret Hahn. Diese beiden Persönlichkeiten, Mühes engste familiäre Bande, gemeinsam mit weiteren Verwandtschaftsmitgliedern, bilden die Protagonisten seiner für den Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin konzipierten neuen Werkserie. In zwei großformatigen fotografischen Familienportraits vereint Mühe die lebenden wie verstorbenen Mitglieder seiner Familie, mütterlicher- und väterlicherseits. Die bereits verstorbenen Personen ließ er, von Fotovorlagen ausgehend, in einem komplexen und intensiven Produktionsprozess als verblüffend lebensecht anmutende Skulpturen nachbilden.

Es offenbart sich hierbei eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit den innerfamiliären Geflechten der Familie Mühe, die – berufsbedingt – teilweise auch ein Leben in der Öffentlichkeit führten. Der psychologisch, sozial geladene Aspekt des Familienbildes steht gleichzeitig einer kunsttheoretischen Abhandlung gegenüber. Denn Mühes künstlerischer Prozess von Fotografie als Ausgangsmaterial, zu plastischen Nachbildungen in Form von Skulpturen, und schlussendlich zu einer choreografierten Gruppierung, an dessen Ende ein fotografisches Familienportrait steht, macht die ambivalente Bedeutung von Fotografie – zwischen Wahrheit und Konstruktion – überdeutlich. Persönliche Geschichte, soziale und gesellschaftliche Verhältnisse sowie künstlerische Tradition vereinen sich zum Portrait einer Familie, dem Zeit- wie Kunstgeschichte tief eingeschrieben sind.

Ausstellung 4
Der Elefant im Raum
Skulpturen aus der Sammlung Marx
und der Sammlung der Nationalgalerie
01.11.2018 - 08.09.2019
Ausstellung 5
LOCAL HISTORIES
15.12.2018 - 29.09.2019



Eintrittskarte vom 27.04.2019:

Reise-Information des Exkursionsleiters Hans-Georg Winter
(Frankfurter Kunstverein e.V.):

13.04.2019

Frankfurt (Oder) + Slubice

Den 07. April 2019 erlebte ich als sonnigen milden Frühlings-Sonntag - geeignet für eine kleine Städtetour durch Frankfurt (Oder) und durch Slubice. Die Lichtverhältnisse waren günstig für ein paar Fotos:

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08.04.2019

Max Heilmann in Frankfurt (Oder)

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Sonder-Ausstellung: Max Heilmann
07.04. - 02.06.2019 im Museum Viadrina Frankfurt (Oder)

Am Sonntag, den 07. April 2019, wäre Max Heilmann, einer der bedeutendsten Chronisten Frankfurts, 150 Jahre alt geworden. Das Museum Viadrina und das Stadtarchiv würdigen den Grafiker und Kunstmaler mit einer Einzelausstellung.

Gezeigt werden 30 Werke Heilmanns. Darunter 24 Grafiken aus dem Stadtarchiv, die durch Ölbilder und Aquarelle aus dem Bestand des Museums ergänzt werden, vorrangig aber einen Bezug zur Stadt haben. Ergänzt werden die Bilder durch Fotos, Dokumente, Briefe, aber auch Druckplatten, Werkzeuge und Werkstoffe aus dem Nachlass Heilmanns, die von der Familie Reinhold zur Verfügung gestellt wurden.


Max Heilmann wurde am 7. April 1869 im schlesischen Schmiedeberg geboren und verbrachte die längste Zeit seines Lebens in seiner Wahlheimat Frankfurt (Oder). Einen beachtlichen Teil seines Schaffens bildeten Radierungen, in denen er mit akribischer Genauigkeit z.B. Szenen aus dem Frankfurter Stadtpanorama und dem Umland festhielt. Liebevoll skizzierte er bekannte Frankfurter Bauwerke, wie das Rathaus, St. Marien, die Georgenkirche oder den Bahnhof. Seine Radierungen wurden in hoher Auflage gedruckt und fanden Einzug in viele Bürgerhäuser und öffentliche Häuser der Stadt sowie in Kunstmuseen auch außerhalb Frankfurts.

Anlässlich der Ausstellungseröffnung in der Frankfurter Kunsthalle im damaligen Stadttheater im Februar 1926 – da war Heilmann bereits auf dem Höhepunkt seines Schaffens – hieß es am 23. Februar 1926 im "Frankfurter Volksfreund": "Die Motive sind nicht gesucht, sondern gefunden. Heilmann verzichtet auf jede Effekthascherei … Er holt überall das Wesentliche heraus. Einer Erklärung bedürfen die Bilder Heilmanns eigentlich nicht."


Die handwerklichen Fähigkeiten hierfür erwarb Heilmann, der eigentlich Architekt werden wollte, in seiner Lehrzeit als Maurer und Bauzeichner. Nach dem Besuch des Realgymnasiums in Breslau studierte er ab 1885 an der Breslauer Kunst- und Gewerbeschule sowie an der Kunstakademie zu Weimar. 1895 legte er die Prüfung als akademischer Zeichenlehrer ab. Damit besaß er die besten Voraussetzungen, um sich für die am Frankfurter Friedrichsgymnasium ausgeschriebene Stelle zu bewerben. 1896 wurde er als Lehrer für Zeichnen, Musik und Sport dorthin berufen.

Gemeinsam mit seiner Frau Marta, (geb. Augstein), seiner Jugendliebe, die er 1896 geheiratet hatte, bezog er nun in Frankfurt seine erste Wohnung in der Fürstenwalder Straße. Auch außerhalb des Unterrichts widmete sich Heilmann der Förderung begabter Schüler in Malzirkeln, hielt Fachvorträge im Kunstverein und schuf selbst zahlreiche Werke, die nun immer häufiger in den Schaufenstern der Buch- und Kunsthandlungen der Stadt oder auf Ausstellungen zu sehen waren.


Doch Heilmann machte sich mit seinem künstlerischen Schaffen weit über die Oderstadt hinaus einen Namen: In der Berliner Großen Kunstausstellung, im Münchner Glaspalast, in Düsseldorf, Hannover und Dresden waren seine Werke zu bewundern. Selbst zur Weltausstellung in Chicago versandte er Arbeiten.

Weniger bekannt ist, dass Max Heilmann aktives Mitglied der Freimaurer war. Seit 1906 gehörte er zur Frankfurter Sankt Johannisloge "Zum aufrichtigen Herzen". An der künstlerischen Ausgestaltung des Logensaals war er maßgeblich beteiligt. In seinen Lebenserinnerungen schrieb er: "In Frankfurt brachte ich viele Wochen (vermutlich um 1929, d.Verf.) mit der Ausmalung der Wände in der Loge IV zu, die zur allgemeinen Bewunderung ausfiel (in Wachs-Kasein-Farbe)." Die Freimaurerloge wurde 1935 durch die Nationalsozialisten verboten. Das Frankfurter Logengebäude hat das Ende des Zweiten Weltkrieges unbeschadet überdauert.


Abgesehen von seinen bildkünstlerischen Tätigkeiten war Heilmann auch musikalisch begabt. Die Liebe zur Musik hatte er wohl von seinem Vater, der Kapellmeister und später Gastwirt war, geerbt. Er trat gelegentlich auf öffentlichen Konzerten mit seiner Laute auf und komponierte eigene Lieder.

Im Verein "Wandervogel" schätzte er das gesellige Miteinander, gemeinsames Musizieren und Wanderungen in die märkische Landschaft. Neben Radierungen entstanden Aquarelle und Ölbilder, in denen er seine Liebe zur märkischen Landschaft zum Ausdruck brachte.

Darüber hinaus war er als "Gebrauchsgrafiker" tätig, fertigte Urkunden, illustrierte Bücher und Zeitschriften, lieferte Vorlagen für Postkarten und vieles mehr. Auf dem Höhepunkt seines Schaffens konnte Max Heilmann auf ein beachtliches Werk zurückblicken. Allerdings ging während des Zweiten Weltkrieges ein großer Teil seiner Werke verloren.

Am 1. Oktober 1929 – im Alter von 60 Jahren – trat Heilmann in den Ruhestand. Für seine Verdienste als Zeichenlehrer – die Qualität seines Unterrichtes wurde mit der einer Kunstschule verglichen – hatte man ihm den Titel "Studienrat" verliehen. Er arbeitete nun als freischaffender Künstler weiter, erhielt jedoch ab 1933 nur noch wenige öffentliche Aufträge. Er nutzte die Zeit für Bildungsreisen, unter anderem nach Italien, das ihn durch seine landschaftliche Schönheit und antiken Bauwerke stark beeindruckte und zu weiteren Werken inspirierte: So entstanden Gemälde des antiken Theaters in Syrakus und des Poseidontempels in Paestum. Das gleichnamige Ölbild schenkte er 1931 dem Friedrichsgymnasium.


1945 – als die Stadt zur Festung erklärt wurde – musste Heilmann sein Haus in der Hegelstraße, das sein Schwiegersohn als Architekt nach seinen Wünschen entworfen hatte, verlassen. In Adendorf bei Lüneburg fand er Aufnahme bei Freunden. Eine schwere Erkrankung verhinderte in den letzten Lebensjahren das weitere Schaffen, auch eine Rückkehr nach Frankfurt war ihm nicht mehr möglich. Jedoch blieb er der Stadt durch Briefwechsel mit Frankfurtern, wie zum Beispiel mit Archivarin Elfriede Schirrmacher, weiterhin verbunden und gab 1953, anlässlich des 700-jährigen Jubiläums der Stadt Frankfurt, seine Arbeiten zum Druck einer 10-teiligen Postkartenserie frei.

Am 27. Januar 1956 verstarb Max Heilmann in Scharnebeck bei Lüneburg. In ihrem Nachruf (Kulturspiegel, 1956) schrieb Elfriede Schirrmacher: "Uns Frankfurter hat er mit seinem Schaffen reich beschenkt und er hat unserer alten Stadt den wertvollsten Dienst erwiesen, als er ihre schlichte, architektonische Schönheit und ihr buntes Leben und Treiben in seinen Bildern festhielt. So wenig wie wir konnte er damals ahnen, dass er damit Dokumente schuf, die der aufwachsenden Generation das alte Bild unserer Stadt bestens zu vermitteln vermögen, ja einen Hauch von ihrem Geiste spüren lassen."

Autorin: Sigrid Riedel - Mitarbeiterin im Stadtarchiv Frankfurt (Oder).
Zusammen mit Dr. Sonja Michaels vom Museum Viadrina hat sie die Ausstellung kuratiert. Dieser Text erschien am 04.04.2019 in der MOZ.


Ausserhalb dieser temporären Max-Heilmann-Ausstellung gibt es einen Ort in den österreichischen Alpen, an dem bereits seit vielen Jahrzehnten Grafiken von Max Heilmann hängen: in der Winnebachseehütte!
Die Hütte wurde um 1900/1901 von der DAV-Sektion Frankfurt (Oder) erbaut und steht in den westlichen Stubaier Alpen oberhalb von Gries im Sulztal auf 2.362 Meter Höhe. Nach dem 2. Weltkrieg übernahm ab 1955 die DAV-Sektion Hof die Winnebachseehütte und pflegt seitdem die Erinnerung an die Frankfurter Erbauer-Sektion. Einige Max-Heilmann-Grafiken wurden lange vor 1945 von den Frankfurtern in der Hütte plaziert und sind heute dort noch immer zu sehen.
Dieses Foto aus der Homepage Winnebachseehütte (Copyright by Nina Riml 2010) zeigt rechts an der Wand eine Max-Heilmann-Grafik. Zu sehen ist Frankfurt (Oder) mit der Franziskanerkirche (Konzerthalle), die Oder und eine Oderbrücke. Ich suche auf diesem Weg weitere Fotos, die Max-Heilmann-Bilder in der Winnebachseehütte zeigen!

01.04.2019

Lärm von Frankfurter Bahntrasse


2009 schrieb ich einen Brief an die Deutsche Bahn zum Thema "Lärm durch Bahntrasse in Frankfurt (Oder)". Dieser Brief kam als Antwort:

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Seit dem DB-Brief sind fast 10 Jahre vergangen. Am 01.04.2019 schrieb ich erneut an die Deutsche Bahn - nun per E-Mail:

Sehr geehrte Damen und Herren,
im Jahr 2009 erhielt ich von der DB Netze einen Brief, den ich Ihnen als digitale Kopie mit dieser Mail zusende. Seither sind fast 10 Jahre vergangen. Wie im Brief beschrieben, rechnen die Unterzeichner mit einem Zeitraum von zirka 10 Jahren, ehe mit einer "Lärmsanierung" gerechnet werden kann. Meine Frage an Sie bzw. das Unternehmen DB konkret: Welche Maßnahmen sind geplant bzw. bereits eingeleitet, um das Lärmproblem am Bahndamm Große Müllroser Straße in Frankfurt (Oder) zu mindern bzw. zu beseitigen?
Leider existieren die am Briefende genannten Internetseiten so nicht mehr, da offensichtlich das zuständige Ministerium nach jeder Bundestagswahl seine Strukturen ändert und damit Verwirrung bei Internetnutzern produziert.

Mit freundlichem Gruss
Roland Totzauer



Als Antwort erhielt ich noch am 01.04.2019 diese E-Mail:

Sehr geehrter Herr Totzauer,
vielen Dank für Ihre E-Mail vom 01.04.2019, die uns zuständigkeitshalber zur Beantwortung weitergeleitet wurde. In Ihrem Schreiben baten Sie um Auskunft, welche Lärmschutzmaßnahmen seitens des Lärmsanierungsprogramms des Bundes für die Stadt Frankfurt (Oder) im Bereich des Bahndammes Große Müllroser Straße geplant sind.

Da Sie im Jahr 2009 bereits über die Grundsätze des freiwilligen Lärmsanierungsprogramms für bestehende, hoch belastete Bahnstrecken des Bundes informiert wurden, möchten wir Ihnen im Folgenden eine Übersicht zu den Entwicklungen und Neuerungen geben, die von Seiten des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) beschlossen wurden.

Das freiwillige Lärmsanierungsprogramm wurde stetig ausgeweitet und weiterentwickelt. Beispielgebend sind hierfür der Entfall des Schienenbonus in 2015 und die Absenkung der Grenzwerte um weitere 3 dB(A) in 2016 zu nennen. Dies führt zu einer deutlichen Verbesserung zu Gunsten der Anwohner von bestehenden Strecken und reicht weit über das Jahr 2020 hinaus. Für reine Wohngebiete beträgt der Grenzwert nun nachts nicht mehr 60 sondern 57 dB(A).

Diese einflussgebenden Grenzwertveränderungen machten eine vollständige Überarbeitung des Gesamtkonzepts erforderlich. Bundesweit werden alle Streckenabschnitte, auch die bereits lärmsanierten, erneut in die Betrachtung einbezogen. Zudem kommen auch weitere Abschnitte hinzu, die unter zu Grunde Legung der alten Auslösewerte bisher nicht in der Liste der Gesamtkonzeption enthalten waren. Konkret heißt das, es werden in Zukunft in erheblich mehr Streckenabschnitten Lärmschutzmaßnahmen umgesetzt. Die Neubewertung unter den vorgenannten Eckwerten betrifft selbstverständlich auch die Ortsdurchfahrt Frankfurt (Oder). Die neue Förderrichtlinie und das neue Gesamtkonzept wurden im Januar 2019 durch das BMVI veröffentlich.

Frankfurt (Oder) ist Teil des Sanierungsabschnittes 120008, der sich von Erkner über Fürstenwalde/Spree, Frankfurt (Oder) bis Guben erstreckt. Gemäß Gesamtkonzept des Lärmsanierungsprogramms hat der Abschnitt eine Prioritätenkennzahl von 21,115. Aufgrund dieser Einstufung (Prioritätenkennzahl) ist mit einer Bearbeitung erst langfristig zu rechnen.

Es wird dann in einer Schalltechnischen Untersuchung die aktuelle und die prognostizierte Schallbelastung ermittelt. Der von der Bahnstrecke ausgehende Schallemissionspegel wird unter Berücksichtigung der Geländeverhältnisse und Abstände zum Beurteilungspegel an der Hausfassade umgerechnet. Dieser wird mit dem Grenzwert verglichen. Aus der Grenzwertüberschreitung leitet sich der Umfang der erforderlichen Schallschutzmaßnahmen ab, die grundsätzlich auf den höheren der beiden Werte (aktuell oder Prognose) ausgelegt werden.
Ob eine Schallschutzwand gebaut werden kann oder ob passiver Schallschutz (z.B. Schallschutzfenster) anzuwenden ist, wird abschließend mittels einer vom Vorhabenträger vorgegebenen Kosten-Nutzen-Abwägungsformel festgestellt. Sollte für passiven Schallschutz entschieden werden, erhalten die betroffenen Hauseigentümer 75% der dafür notwendigen Aufwendungen erstattet.
Eine Vorfinanzierung bzw. Kostenerstattung ist nicht vorgesehen.

Wir bitten um Verständnis, dass wir Ihnen aus den vorgenannten Gründen keine andere Auskunft erteilen können.

Neben der Lärmsanierung durch bauliche Maßnahmen ist die Umrüstung der Güterwagen wesentlicher Baustein der Lärmminderungsstrategie. Um die Lärmbelastung des Schienengüterverkehrs flächendeckend zu reduzieren, hat die DB gemeinsam mit dem Bund die Entwicklung der sogenannten "Flüsterbremse" vorangetrieben.
Leise Bremssohlen reduzieren den Lärm in der Vorbeifahrt um 10 Dezibel, was gefühlt einer Halbierung des Lärms entspricht. Bereits seit 2001 beschafft DB Cargo neue Güterwagen mit leisen Sohlen. Bis Ende 2018 waren ca. 80% der in Deutschland eingesetzten Wagen der DB Cargo leise. Ende 2020 werden dann alle relevanten Güterwagen der DB Cargo ein entsprechendes Bremssystem erhalten haben.
Die Umrüstung der Güterwagen auf leisere Bremstechnik wird zunehmend wirksam und damit die Lärmbelastung erheblich senken.
Gemeinsam mit dem Bund werden alle Anstrengungen unternommen, das Ziel der Halbierung des Schienenverkehrslärms bis 2020 zu erreichen.

Weitere Informationen zum Lärmsanierungsprogramm an Schienenwegen des Bundes erhalten Sie im Internet auf der Homepage des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur unter der Rubrik Schiene, Programm Lärmsanierung:
https://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Artikel/E/laermvorsorge-und-laermsanierung.html

Gern können Sie sich für weitergehende Informationen zum Thema Lärmminderung auch unser Lärmschutzportal im Internet anschauen:
http://www1.deutschebahn.com/laerm/start/

Wir hoffen, Sie damit ausreichend informiert zu haben und stehen bei Rückfragen gern zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

E.B.
Portfolio Lärmsanierung Standort Berlin (I.NG-W-N(7))
DB Netz AG
Markgrafendamm 24, Haus 13, 10245 Berlin